What the hell is quality?

What the hell is quality?

Einband:
Paperback
EAN:
9783593387499
Genre:
Soziologie-Lexika
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
30.11.2008

Wie erkennt man »gute Wissenschaft«? Die Debatte um diese Frage wird kontrovers geführt: Der Forderung nach Qualitätskriterien und Transparenz steht die Auffassung gegenüber, dass Geist sich nicht messen lässt. Erstmals werden im vorliegenden Band diese gegensätzlichen Haltungen zusammengeführt und die Chancen und Risiken der Bewertung geisteswissenschaftlicher Forschung aufgezeigt. Renommierte Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Hochschulpolitik, unter anderen Ute Frevert, Ulrich Herbert und Jürgen Kaube, äußern sich zu Forschungsmoden, Qualitätsmerkmalen und Evaluationsmethoden sowie Förder- und Berufungskriterien. Ihre Lösungsansätze bieten neue Impulse für die Qualitätssicherung in der universitären Lehre und Forschung.

Vorwort
Kann man Geisteswissenschaften messen?

Autorentext
Elisabeth Lack ist Referentin für das wissenschaftliche Leitbild an der Humboldt-Universität zu Berlin. Christoph Markschies ist Professor für Kirchengeschichte, Leibniz-Preisträger und seit 2006 Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin.

Leseprobe
Einleitung - Das Zauberwort "Standards" Elisabeth Lack Eine Tagung zur richtigen Zeit Als im Frühjahr 2007 die Idee zum Berliner Symposium "Geisteswissenschaften und Qualitätsstandards" und zu dieser Publikation entstand, wirkte der Begriff Standards wie ein Zauberwort. Wurde das Projekt einer großangelegten Verständigung über Qualitätsstandards in den (deutschen) Geisteswissenschaften näher erläutert, schien es, als lege sich sogleich eine merkliche Entspannung auf die Gesichter von Forschern, Studierenden, Forschungsförderern, Ministerialbeamten, selbst von Journalisten und Verlegern und bisweilen - aber bezeichnenderweise seltener - auch auf jene der Geisteswissenschaftler selbst. Doch wenn letztere auch anmerkten, dass es sich um ein äußerst komplexes Unterfangen handele, man wohl kaum mit einer festgelegten Maßeinheit für die Geisteswissenschaften, ja noch nicht einmal mit konkreten Ergebnissen aus der Tagung hervorgehen werde, klang durch alle Skepsis und Ironie selbst in diesem Kreis zumindest eine Ahnung davon durch, dass eine öffentliche Verabredung von Standards im Fachkollegenkreis die Geisteswissenschaften eventuell zur Selbstgewissheit von Natur- und Technikwissenschaften aufschließen ließe. Bei Vertretern der Geisteswissenschaften stellt sich zuweilen der Blick des Ethnologen ein, der auf ihm Unbekanntes, ja essenziell Fremdes trifft. Das geschieht, wenn diese beispielsweise Berichte von Kollegen der Naturwissenschaften über die drei top journals hören, in denen man genau so und so viele Aufsätze zu platzieren habe, um ein bestimmtes und klar definierbares standing zu erreichen, oder wenn sie aufschnappen, dass eine Publikation in den Augen ihres naturwissenschaftlichen Autors (selten ist es nur einer) schon fast fertig ist, wenn dieser sie nur noch zusammenschreiben muss. Die routinierte Einlassung auf Messungen in festgelegten Rhythmen und anhand vereinbarter Instrumente schien aber den einen oder anderen Geisteswissenschaftler im Vorfeld des Berliner Symposiums doch zu reizen, wenn er auch innerhalb seiner Community bislang immer das Gegenteil behauptet haben mochte. Die Absicht, Experten zu versammeln, um im Fachkollegenkreis Orientierungsgrößen für die Qualitätsmessung von Geisteswissenschaften zu ermitteln und dies unter der weithin geteilten Annahme zu tun, dass für die Geisteswissenschaften nur eine anders gestaltete Form der Qualitätsermittlung als die der Naturwissenschaften nutzbar zu machen sei, flößte in ihrer Solidität Vertrauen ein und war in ihrer Aktualität unmittelbar eingängig. Das Projekt kam zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich hatte sich in den letzten Jahren gleichzeitig und auf verschiedenen Ebenen ein Kontext formiert, der die Zielsetzung des Berliner Symposiums gleichermaßen neu wie dringlich erscheinen ließ. Die Debatte war zwar nicht gerade eben erst in Gang gekommen, aber sie hatte erst jetzt öffentliche Sichtbarkeit entfaltet. Denn nach einer sehr stabilen Phase der dauerhaften Beschwörung ihrer Krisenhaftigkeit regte sich in den Geisteswissenschaften plötzlich ein neues, geradezu verwegenes Selbstbewusstsein, vereinzelt äußerte man sich sogar stolz zu Leistung und Originalität deutscher Geisteswissenschaften. Im Januar 2006 hat der Wissenschaftsrat diese neue Tendenz auf eine solide Grundlage gestellt und in den "Empfehlungen zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften in Deutschland" in deutlicher Abkehr von der chronisch gewordenen Autoaggression der Geisteswissenschaften davon gesprochen, dass deren Leistungen "in einem selbstverständlich gewordenen internationalen Austausch erbracht" werden, "auf vielen Feldern Maßstäbe" setzen und zu den Wissenschaftsbereichen gehören, "die international Ausweis der Kultur- und Forschungsnation Deutschland sind". Um aber "die Kontinuität der geisteswissenschaftlichen Fächer zu sichern", gelte es, so der Bericht an anderer Stelle, eine "Verständigung über disziplinäre Standards" herzustellen, der Bezug auf Standards und Kernkompetenzen schaffe überhaupt erst "die Grundlage, auf der die Vielfalt der methodischen Konzepte sinnvoll entfaltet werden" könne. Parallel zu diesen fachinternen Entwicklungen hatte das allgemeine Schaulaufen der Universitäten in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder den zunehmenden Wettbewerb um Forschungsgelder in den Jahren 2006 und 2007 nicht nur besonders offensichtlich gemacht, sondern zum ersten Mal auch äußerst öffentlichkeitswirksam exponiert und dabei die Frage nach der Vergleichbarkeit der Wissenskulturen angesichts ihrer unterschiedlichen Fördermöglichkeiten brisant zugeschnitten. Außerdem kam durch die schon seit längerem gestiegene Bedeutung der Drittmitteleinwerbung an den Universitäten ein verstärkter Legitimationsdruck auf die Geisteswissenschaften zu, sowohl nach außen, also gegenüber Forschungsförderern und Zuwendungsgebern, wie auch nach innen, gegenüber den eigenen Hochschulleitungen, die sich zunehmend dem Credo der Profilbildung verschrieben. Zudem schienen die "wissenschaftsstrategischen und wissenschaftspolitischen Auseinandersetzungen über die Evaluationsmethoden", so Georg Braungart in diesem Band, zum Zeitpunkt des Symposiums bereits tatsächlich zu dem Ort geworden zu sein, an dem über den "Status und die Zukunft der geisteswissenschaftlichen Disziplinen" entschieden wurde. Angesichts dieser Ausgangssituation lag nahe, dass sowohl die Präsentation der Ergebnisse geisteswissenschaftlicher Forschung als auch das Nachdenken über die Überprüfbarkeit ihrer Qualität mit dem Ziel ihrer Sicherung - nicht zuletzt im vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung für 2007 ausgerufenen "Jahr der Geisteswissenschaften" - zusätzlichen Schwung erhalten würde. Aus der subkutanen Spannung zwischen neuem Selbstbewusstsein und gewachsenen Anforderungen ergab sich eine große Erwartung an das zweitägige Berliner Symposium am 21. und 22. November 2007. Dessen Ergebnisse liegen heute in diesem Band vor. In sechs Kapiteln wird das titelgebende Begriffsgespann des Bandes in seiner ganzen Multidimensionalität und anhand der zahlreichen Gebiete, in denen es eine Rolle spielt, gezeigt. Da die Debatte um "Qualitätsstandards und Geisteswissenschaften" noch an ihrem Anfang steht, soll im Folgenden eine möglichst umfassende Einführung gegeben und zugleich ein erster Vorschlag zu ihrer Ordnung unterbreitet werden. Denn die Definition eines Qualitätsbegriffs in den Geisteswissenschaften (Kapitel 1 "Ein Gespräch über Qualität in der geisteswissenschaftlichen Forschung und Lehre") hat unmittelbare Auswirkungen auf die Möglichkeiten und Grenzen, diese zu messen (Kapitel 2 "State of the Art der Qualitätsbeurteilung geisteswissenschaftlicher Forschung"). Die Methoden der Feststellung von Qualität wiederum müssen bestimmte Spezifika wie wechselnde Theoriemoden identifizieren können und Instrumente entwickeln, sie bei ihrer Bewertung zu…


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