Kulturverträgliches Management

Kulturverträgliches Management

Einband:
Kartonierter Einband
EAN:
9783593387635
Genre:
Arbeits-, Wirtschafts- & Industriesoziologie
Autor:
Simeon Ries
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
15.09.2008

Das verantwortungsbewusste Sozial- und Umweltverhalten von Unternehmen wird immer wichtiger und gilt als Ausweis für nachhaltiges Management. Kulturverträgliches Verhalten als Kriterium von Nachhaltigkeit ist jedoch nahezu unbekannt. Simeon Ries weist am Beispiel verschiedener Länder nach, inwiefern Unternehmensführung selbst eine kulturelle Leistung ist, die durch die Integration in Landeskulturen Wettbewerbsvorteile und Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen schafft.

Autorentext
Simeon Ries, Dr. phil., MBA, ist Inhaber der Unternehmensberatung enodo.

Leseprobe
Der Einfluss unternehmerischer Tätigkeiten auf die Kulturen wird seit den 1990ern unter dem Stichwort "Nachhaltigkeit", im angelsächsischen Raum unter Corporate Social Responsibility, CSR, diskutiert und zunehmend professionell analysiert. Im Vorhaben, Unternehmen auf ihre Nachhaltigkeit hin zu bewerten, wird der Blick auf drei Dimensionen gelenkt: die Verträglichkeit unternehmerischer Tätigkeit mit ökologischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten. Für unternehmerisches Handeln im Kontext immer prägnanter werdender internationaler wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer, pazifistischer und kultureller Herausforderungen eröffnen die Prinzipien der Nachhaltigkeit die Möglichkeit, innovativ an der Gestaltung künftiger Verhältnisse in Wirtschaft und Gesellschaft mitzuwirken. Zu ihrem spezifischen Aufgabenfeld gehört es dabei, innovative Wege zu finden, wie wirtschaftliche Erfolgsindikatoren jenen der Umwelt-, Sozial- und Kulturverträglichkeit beigeordnet werden können. Im ökonomischen Kontext der Unternehmen offenbart "Nachhaltigkeit", dass die Kostenallokation nicht auf buchhalterische und bilanzielle Posten beschränkt ist. Heute wird davon ausgegangen, dass externe Gruppen durch die Aktivität einzelner Unternehmen als auch in der Gesamtheit wirtschaftlichen Handels finanziell belastet werden: Ressourcenverzehr und Umweltschäden belasten den jeweiligen Staatshaushalt; im deutschen System trägt die Solidargemeinschaft der Versicherten die Folgen gesundheitlicher Schäden durch Stress und Belastungen in Unternehmen. Die Auswirkungen auf die Kulturen lassen sich finanziell nur bedingt beziffern, weil deren Veränderungen sehr große Zeiträume umfassen. Trotzdem: die Einschränkung der kulturellen Vielfalt, zum Beispiel auch individueller Lebensentwürfe, führt zu einer Engführung kultureller Gestaltungsoptionen - mit deutlichen Konsequenzen für die Qualität ökonomischer Entscheidungen des Managements von Unternehmen. Für das Risikomanagement von Unternehmen und Gesellschaften sind Kreativität und Poetik notwendig. Sind deren kulturelle Grundlagen und Ausdrucksformen eingeschränkt, führt dies zu defizitären Entscheidungsfindungen, deren Kosten nicht abzuschätzen sind. Nachhaltiges Wirtschaften vermeidet diese Externalisierung von Kosten, oder legt sie offen, wodurch sich die Spielregeln des heutigen Wettbewerbs wesentlich verändern. In diesem Sinne beschreibt und fordert die Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating der Universität Frankfurt (Main) im Mai 2008 "Politische Leitplanken für nachhaltige Märkte und nachhaltigen Wettbewerb". Thema und Fragestellung dieser Arbeit haben auf den ersten Blick einen theoretischen Charakter: die Entwicklung von Rahmenbeschreibungen und Modellen für die Verbesserung einer wissenschaftlich ausgearbeiteten Kriteriologie zur Bewertung der "Kulturverträglichkeit" von Unternehmen. Bereits Anfang der 1990er hat sich die "Projektgruppe Ethisch-Ökologisches Rating" (EÖR) der Universitäten Frankfurt (Main) und Stuttgart Hohenheim dieser Frage angenommen und 1996 den "Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden" (FHL) veröffentlicht. Die Gruppe bestand aus Personen, die sich angesichts von Zerstörung der Umwelt und Unterdrückung der Armen aktiv für die Überwindung konkreter und systemischer Ausbeutung einsetzten. Aus dieser zivilgesellschaftlichen politischen Praxis formulierten sie mit der sprachlichen Neuschöpfung "Bio-Überlebenssicherheit von Mensch und Mitwelt" ein visionäres Ziel. Sie stellten sich der Aufgabe, die Auswirkungen unternehmerischen Handelns auf der Schnittstelle von Gesellschaft und Wirtschaft zu bewerten. Dieser Sitz im Leben ließ die Autoren nach sehr konkreten und realen Lösungen und deren Umsetzung suchen. Damit strebten sie auf eine verbesserte kulturelle Nachhaltigkeit von Unternehmen und auf einen konstruktiv geführten Dialog aller beteiligten gesellschaftlichen Kräfte. Als Ergebnis ihrer wissenschaftlichen Forschungen stellten sie im FHL eine umfassende Kriteriologie vor, die seitdem von der oekom research AG, München, als Ratingsytem (Corporate Responsibility Rating, CRR) umgesetzt wird. Die Suche nach einer tragfähigen Beschreibung der Dimension Kulturverträglichkeit orientiert sich im Rahmen dieses Buches exemplarisch an der Entwicklung und Vertiefung des FHL und seiner praktischen Umsetzung im CRR, weil es bis heute das umfassendste Instrumentarium zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Unternehmen im deutschsprachigen Raum darstellt. In den vergangenen Jahren wurden sowohl die Indikatoren des CRR als auch deren theoretische Grundlagen im FHL sukzessive durch die wachsende Erfahrung der Analyse börsennotierter Unternehmen mit neuen Fragestellungen konfrontiert. Die Verbesserung insbesondere von Fokus und Präzision der Kriterien führte zu eine doppelten Anpassung: Auf der praktischen Ebene wurde eine Standardisierung der aussagekräftigen Indikatoren und deren Bezug auf einzelne Branchen vorgenommen. Durch die wachsende Anzahl der analysierten Unternehmen konnten die Bewertung der Nachhaltigkeit spezifiziert und die Bestimmung der ausschlaggebenden Indikatoren vorangetrieben werden. Die Erfahrung der Bewertung von Unternehmen im CRR regte die Weiterentwicklung der Kriterien des FHL auf der theoretischen Ebene an. Im November 2000 widmete sich in Frankfurt ein internationales Symposium dem Thema "Intercultural responsibility of the ethical assessment of enterprises according to the criteria of cultural, social and environmental sustainability". Chancen und Grenzen der Dimension "Kulturverträglichkeit" wurden aus den unterschiedlichen Perspektiven exemplarischer Kulturen aller Kontinente beleuchtet. Die Diskussionen bestätigten die Bedeutung dieser Dimension; eine einheitliche Definition konnte jedoch aufgrund eben der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Kontexte nicht gefunden werden. Grundlage des FHL ist die Beschreibung der Nachhaltigkeitskultur, die die "Bio-Überlebensicherheit" gewährleistet. Sie beschreibt Modelle nachhaltiger Wirtschaft und konstruktiven Wettbewerbs und ordnet Unternehmen in das damit etablierte Spannungsfeld ein: Die Entscheidung zwischen neo-liberalen Markttheorien und deren Instrumenten auf der einen, und denen der Kultur der Nachhaltigkeit und ihrer Ausprägungen auf der anderen Seite ist nicht nur durch wirtschaftliche Ziele bestimmt, sondern vor allem durch eine dezidiert ethische, weil handlungsorientierende Komponente. Wie zu zeigen sein wird, hat die Dimension "Kulturverträglichkeit" bislang eine doppelte Ausrichtung: Sie untersucht den Einfluss von Firmen auf diejenigen nationalen und regionalen Kulturen, in denen diese unternehmerische Aktivitäten unterhalten. Als Modell der Nachhaltigkeitskultur verweist sie auf die Eigenständigkeit der Kulturen und stellt sie in den interkulturellen Kontext. Es steht außer Frage, dass Unternehmen einen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung ihrer Umgebung haben. Die ethische Bewertung der Kulturverträglichkeit lässt sich jedoch nicht darauf beschränken, die Intensität der kulturellen Einflussnahme zu analysieren. Vielmehr richtet sie das Augenmerk auf Art und Ziel der Intervention. Deshalb ist ein Unternehmen nicht gleich kulturverträglich, wenn es wenig oder keinen bestimmbaren Einfluss auf nationalen Kulturen hat. Kulturverträglichkeit verweist vielmehr auf die Einbindung in die kulturelle Entwicklung eines Landes oder eines Vol…


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