Genre:
Feminismus & Geschlechterforschung
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
14.06.2010
Femminielli werden als Jungen geboren, nehmen später weibliche Namen an, kleiden sich und formen ihre Körper nach weiblichen Vorbildern. Sie bilden damit eine lokale Form von Transgender aus, die sich von derjenigen trans- und intersexueller Menschen unterscheidet. Marco Atlas ist dem Alltag von Femminielli in Neapel gefolgt: In seiner Studie untersucht er die hundertjährige lokale Geschichte sowie die heutigen Lebensverhältnisse dieser Gruppe, ihre Arbeit als Prostituierte, ihre familiären Beziehungen und ihre sozialen Funktionen. An ihrem Beispiel zeigt er, dass diese Geschlechtervariante auch Ergebnis kultureller Konstruktion und Zuschreibung ist, die von Bewunderung bis Abwehr reichen.
Autorentext
Marco Atlas, Dr. phil., ist Ethnologe und Anglist. Er arbeitet als Lehrer im Emsland.
Leseprobe
Gigi: Meine Hauptgesprächspartnerin Als länger bleibender Gast erzählte ich den in der Pension 6smallrooms Arbeitenden, weshalb ich nach Neapel gereist war. Gegen Ende meines ersten Aufenthaltes fiel Dude, einem ehemaligen amerikanischen Mitarbeiter, ein, dass er "diese Frau" kenne, "die in einem Bordell arbeite und die eigentlich ein Typ wäre". Das Bordell befände sich in der Gasse des Spanischen Viertels, wo er seit längerem in einer Wohngemeinschaft lebe.
Inhalt
Inhalt Danksagung Einleitung Italiensehnsucht und Mythos eines homophilen Neapels Reisen ins Land freizügiger Körperlichkeit und Sexualität Homophiles Neapel: Künstlerischer Gegendiskurs und Mythos Für eine neue Süditalienethnologie Repräsentationen von Femminielli: Zum Forschungsstand Schreibweisen des Begriffs und ihr grammatikalisches Geschlecht Analyse einzelner Femminielli-Repräsentationen De Blasio: Kriminologische Anthropometrie und frühe Anthropologie Malaparte, Patroni Griffi und De Crescenzo: Literatur und Stadtfotografie Cederna, Vastano und Paliotti: Touristische Stadtbeschreibungen Pardo: Neuere Stadtethnologie Browning: US-Amerikanische Schwulenbewegung und -forschung D'Agostino: Religionswissenschaftliche Transvestismusstudien Haller: Queere Kulturkritik Repräsentationen von Femminielli-Hochzeiten und la figliata Zwischenfazit Ergebnisse der Feldforschung Zur Ethnografie Erste Eindrücke: Die schwul-lesbische Subkultur hinter dem Mythos vom homophilen Neapel Zwei verschiedene neapolitanische Identitätsangebote: Gay und Femminiello Vorstellungen über Femminielli als Intersexuelle, Transvestiten und Transsexuelle Die changierende Geschlechtskonstruktion von Femminielli im binären Geschlechtersystem Die Quartieri Spagnoli als sozialer Raum von Femminielli Gigi: Meine Hauptgesprächspartnerin Femminielli und ihre Vernetzungen in die Alltagskultur Neapels Gigis basso als multifunktionaler Frauenraum im Viertel Femminielli und Prostitution als Einkommensquelle Valerias Gelderwerb in der Via Cavone Lellas tombolella Leas "La Dolce Vita" Femminielli, die Sphäre des Heiligen und die Institution Kirche O'Rus und Tanias frivole Wallfahrten Resümee Literatur
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