Genre:
Arbeits-, Wirtschafts- & Industriesoziologie
Autor:
Nicole Mayer-Ahuja
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
30.04.2011
"The world is flat!" - So lautet eine Gegenwartsdiagnose, die transnationale Konzerne als Wegbereiter globaler Homogenisierung feiert. Nicole Mayer-Ahuja zeigt, dass dieser Homogenisierung Grenzen gesetzt sind. Die Analyse der Softwareprogrammierungsbranche in Deutschland und Indien verdeutlicht, wie markant sich Unternehmensstrategien und Arbeitskraftnutzung unterscheiden und wie sie durch ökonomische, politische und gesellschaftliche Strukturen vor Ort beeinflusst werden.
»The world is flat!« So lautet eine Gegenwartsdiagnose, die transnationale Konzerne als Wegbereiter globaler Homogenisierung feiert. Nicole Mayer-Ahuja zeigt, dass dieser Homogenisierung Grenzen gesetzt sind. Die Analyse der Softwareprogrammierungsbranche in Deutschland und Indien verdeutlicht, wie markant sich Unternehmensstrategien und Arbeitskraftnutzung unterscheiden und wie sie durch ökonomische, politische und gesellschaftliche Strukturen vor Ort beeinflusst werden.
Autorentext
Nicole Mayer-Ahuja (Prof. Dr.) ist Professorin für die Soziologie von Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft an der Georg-August-Universität Göttingen. Forschungsschwerpunkte: Arbeit in historischer und transnationaler Perspektive, Arbeitszeit, Arbeit in der Klassengesellschaft.
Klappentext
»The world is flat!« - So lautet eine Gegenwartsdiagnose, die transnationale Konzerne als Wegbereiter globaler Homogenisierung feiert. Nicole Mayer-Ahuja zeigt, dass dieser Homogenisierung Grenzen gesetzt sind. Die Analyse der Softwareprogrammierungsbranche in Deutschland und Indien verdeutlicht, wie markant sich Unternehmensstrategien und Arbeitskraftnutzung unterscheiden und wie sie durch ökonomische, politische und gesellschaftliche Strukturen vor Ort beeinflusst werden.
Leseprobe
1. Einleitung "The world is flat!" Als der US-amerikanische Publizist Friedman (2007) unter diesem Titel den Bedeutungsverlust historischer und geographischer Unterschiede im frühen 21. Jahrhundert proklamierte, stürmte er damit die internationalen Bestsellerlisten. Er avancierte zu einem der eloquentesten Vertreter einer weit verbreiteten Argumentation, denn immerhin repräsentierten "Hyper-Globalists" laut Dicken (2007) "the largest body of opinion". Gemeinsam sei ihnen die Position, dass wir in einer grenzenlosen Welt lebten, in which the national is no longer relevant. In such a world, globalization is the new economic (as well as political and cultural) order. It is a world where nation-states are no longer significant actors or meaningful economic units and in which consumer tastes and cultures are homogenized and satisfied through the provision of standardized global products created by global corporations with no allegiance to place or community. Thus, the global is claimed to be the natural order, an inevitable state of affairs, in which time-space has been compressed, the end of geography has arrived and everywhere is becoming the same (Dicken 2007, 5). Das Argument nahezu allumfassender Homogenisierung mag hier überzeichnet sein, um sich besser davon abgrenzen zu können. Zudem erscheint es angesichts der im Herbst 2008 virulent gewordenen weltweiten Finanz und Wirtschaftskrise anachronistisch - zumindest in Hinblick auf die angeblich schwindende Rolle von Nationalstaaten, die sich anlässlich der Krise mit "Rettungspaketen" und Regulierungsankündigungen unübersehbar zurückmeldeten. Dies ändert jedoch nichts an der Aktualität der Diskussion über die Reichweite von Homogenisierungstendenzen im Zeichen zunehmend grenzüberschreitender Wirtschaftsaktivitäten (vulgo: "Globalisierung"). Behält also die im Zitat referierte Auffassung Recht, der zufolge alle lokalen Unterschiede eingeebnet werden? Vorsichtiger formuliert: Wie weit geht Homogenisierung und wo stößt sie an Grenzen? Man kann sich dieser Frage auf verschiedenen Ebenen, mit Bezug auf diverse wirtschaftliche Aktivitäten, mit unterschiedlichen Methoden und wissenschaftlichen wie politischen Erkenntnisinteressen nähern. Der spezifische Fokus der vorliegenden Studie wird deutlich, wenn man den Scheinwerferkegel auf eine typische Konfliktkonstellation richtet. In den deutsch-indischen Projektteams vieler Softwarefirmen schwelt ein Dauerkonflikt, denn deutsche Beschäftigte verstehen nicht, warum ihre indischen Kolleg/innen klaglos Nächte durcharbeiten - aber sich weigern, abends eine Viertelstunde länger zu bleiben, um einen Arbeitsschritt abzuschließen. Die Auseinandersetzung um diese "kritische Viertelstunde" lässt ahnen, wo in Bezug auf die Nutzung von Arbeitskraft in transnational operierenden Softwarefirmen, die diese Studie untersucht, Grenzen der Homogenisierung liegen könnten. So spielt der Konflikt etwa nicht überall dieselbe Rolle. Indische wie deutsche Beschäftigte in der indischen Servicefirma, in der eine Fallstudie durchgeführt wurde (und die hier aus Anonymisierungsgründen unter dem Kürzel "I-Serve" erscheint), sprechen dieses Problem öfter an als Beschäftigte einer deutschen Produktfirma (hier analog als "G-Pro" bezeichnet). Dies liegt nicht zuletzt daran, dass kurzfristig anberaumte Kooperationen zwischen Projektmitgliedern in Deutschland und Indien in der Servicefirma deutlich häufiger erforderlich werden als in der Produktfirma, was (wie wir sehen werden) unter anderem mit Projektlaufzeiten sowie der Rolle von Kunden und Vorgesetzten bei der Projektabwicklung zusammenhängt. Weil das Erbringen von Software-Dienstleistungen andere Formen der Nutzung von Arbeitskraft erfordert als die Herstellung von Software-Produkten, so die erste Vermutung, kann man nicht von "der" Arbeit im Softwaresektor sprechen - vielmehr sind wesentliche Grenzen von Homogenisierung in unterschiedlichen Geschäftsmodellen begründet. Doch warum arbeiten indische Beschäftigte Nächte durch, weigern sich aber, abends spontan fünfzehn Minuten länger zu bleiben - und warum handhaben deutsche Beschäftigte dies anders? Die Beantwortung dieser Frage verweist unter anderem auf das wirtschaftliche Umfeld (etwa auf Branchenkonzentration, IT-Arbeitsmarkt oder urbane Raumstruktur), das politische Umfeld (in Form von Verkehrspolitik oder sozialpolitisch geförderten Ernährermodellen) oder das gesellschaftliche Umfeld (das sich in einer spezifischen Arbeitsteilung zwischen Geschlechtern, Generationen und sozialen Schichten niederschlägt). All diese Faktoren wirken sich direkt darauf aus, in welchem Umfang und in welcher Qualität Arbeitskraft zur Verfügung steht bzw. wie dauerhaft und wie intensiv sie durch Unternehmen genutzt werden kann, ohne ihre Reproduktion in Frage zu stellen. Daher lässt der Konflikt über die "kritische Viertelstunde" Grenzen der Homogenisierung erkennen, die sich (so die zweite Vermutung) aus dem ergeben, was hier als (deutsches bzw. indisches) Regulierungsszenario von Arbeitskraft-(Re )Produktion bezeichnet werden soll. Im Folgenden wird diskutiert, wie diese beiden Grenzen der Homogenisierung betrieblicher Arbeitskraftnutzung in der sozialwissenschaftlichen Literatur behandelt werden und an welchen Debatten bzw. Leerstellen die vorliegende Studie anknüpft. Sodann wird die Fragestellung präzisiert und die Auswahl von Forschungsfeld und Untersuchungsbetrieben auf Basis von Literaturlage und konzeptionellen Überlegungen begründet. Die Einleitung endet mit Bemerkungen zu Untersuchungsdesign, Methodik und Aufbau der Arbeit.
Inhalt
Inhalt Danksagung 9 1. Einleitung 11 1.1 Grenzen der Homogenisierung in der Literatur: Politische Ökonomien und unternehmerische Transnationalisierungswege 13 1.2 Reichweite und Grenzen der Fragestellung 21 1.3 Warum Softwareprogrammierung zwischen Deutschland und Indien? Zur Auswahl des Forschungsfeldes 29 1.4 Warum deutsche Produkt und indische Servicefirma? Zur Auswahl der Untersuchungsbetriebe 39 1.5 Untersuchungsdesign, Methodik und Aufbau der Arbeit 44 2. Konzeptionelles: Regulierungsszenarien und Transnationalisierungswege 54 2.1 Regulierungsszen…
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