Friedrichs Größe

Friedrichs Größe

Einband:
Paperback
EAN:
9783593394848
Genre:
Neuzeit bis 1918
Autor:
Thomas Biskup
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
08.11.2012

Friedrich II. von Preußen ging als Friedrich der Große in die Geschichte ein. Dabei blieb bisher allerdings weitgehend unbeachtet, wie diese Größe von Friedrich selbst mit aufwendigem Prunk in Zeremoniell und höfischem Fest gezielt inszeniert wurde. Thomas Biskup beschreibt diese glanzvolle Festkultur und untersucht darüber hinaus, wie der Kult um Friedrich nach dessen Tod fortgeführt wurde. Schon das Begräbnis war eines der größten Medienereignisse des 18. Jahrhunderts. In den folgenden Jahrzehnten veranstalteten preußische Patrioten nationale Feste, in denen sie das rituelle Gedenken an den »Gründervater« Friedrich fortführten. Selbst Napoleon nutzte nach seinem Sieg über Preußen die Aura des verstorbenen Monarchen, indem er durch verschiedene Zeremonien Friedrich als seinen »Vorfahren« instrumentalisierte. Mit seiner Darstellung dieser Feste und Kulte zeichnet Thomas Biskup ein ungewohntes Bild Friedrichs und rückt ins Bewusstsein, dass auch dieser vermeintlich so spartanische Herrscher höfischen Glanz zu nutzen wusste.

"Der Verfasser vermag ein höchst beeindruckendes Panorama der vielfältigen Möglichkeiten königlicher Selbstinszenierung zu zeichnen." Frank Göse, Zeitschrift für Historische Forschung, 10.11.2014

Autorentext
Thomas Biskup, Dr. phil., ist Lecturer für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der University of Hull in Großbritannien. Zuletzt erschien von ihm bei Campus »Das Erbe der Monarchie«, herausgegeben mit Martin Kohlrausch 2008.

Leseprobe
2. Karrussell von Rang und Ruhm: Königliche Selbstinszenierungen »Eitler Glanz«? Friedrichs Ironie In einer Festbeschreibung aus dem Berlin des 18. Jahrhunderts ist von außerordentlich einfallsreichen Feiern zu lesen, von kostbarer Ausstattung der Gebäude und der Kleider der Teilnehmer, von einer überwältigenden Folge von Speisen, Musik und Feuerwerken: »[Das] Schloß [kann] man einen Zauber-Pallast heissen. Das Gold, der Marmor, und die Gemälde kämpfen miteinander in der Schönheit und der Pracht. [Alles ist] so wol angelegt und dergestallt ausgeführet, daß es von nichts übertroffen werden kann.« Zu einem Diner in Schloss Monbijou, das dem Bericht zufolge von nicht weniger als 1.000 Lampen erhellt wurde, wurde gespeist von einem »goldenen Service , das der König bei seiner Gelangung auf den Thron verfertigen ließ und welches wegen der schönen Arbeit, eben so schäzbar ist, als wegen des Werths der Materie.« Die am Abend gegebene Oper bestach durch »ausnehmende Stimmen«, »reiche Kleidungen und prächtigste Auszierungen«. Die Feuerwerke schließlich bestanden aus »einer unendlichen Menge von Raquetten, von Girandolen, von Lancen, von Gerben und von Feux Gregrois; welches eine solche Wirkung that, daß es schien, als ob der Himmel, die Erde und das Wasser ganz in Feuer gerathen wären.« Kein Wunder also, dass dem Festbericht zufolge der Hof »vollkommen vergnügt [war] über das, was er allda gesehen hatte und allerseits mit Bewunderung eingenommen, so wol über die Verschiedenheit der Lustbarkeiten, als auch über die Artigkeit, Ordnung und Pracht, welche dabei auf einmal geherrscht hatten.« Höhepunkt der beschriebenen Festlichkeiten war ein Reitturnier im Berliner Lustgarten, der zu diesem Zweck zu einem verschwenderisch ausgestatteten Festplatz umgebaut worden war und gegen Abend, wie der offizielle Festbericht hervorhebt, im Licht von nicht weniger als 30.000 Lampen erstrahlte: »Der Bau an dem Chore des Königes und der Königinnen war nach Corinthischer Ordnung mit Marmor-Pfeilern und Säulen ausgezieret, deren Füße und Gesimse golden waren. Dieser Bau endigte sich in einem gekrönten Fronton, in welchem man des Königes Namen sahe. Das Chor war austapezirt und der Himmel war von Carmesin-Sammet und eben so mit goldenen Galonen und Franzen besezt, wie die Decke, welche über der Wand der Ballustrade hing.« Die Kostüme der Teilnehmer waren an »Glanz«, »Pomp« und »Pracht«. nicht zu übertreffen: Es gab Purpur und Samt, Tiger- und Marderfell, Silbergaze und Drap d'Argent, Brokat und Atlas, Diamantenbesatz, Perlen und Rubinen, Silberzeug und Silber- und Goldstickereien; noch die Sporen der Reiter bestanden aus mit Diamanten besetztem Silber. All dies klingt nun verdächtig nach dem, was Friedrich gern als den »asiatischen Prunk« seines Großvaters, des ersten Preußenkönigs Friedrich I., verspottete. Veranstalter der ebenbeschriebenen Feiern allerdings war Friedrich II. selbst: Es handelt sich um die Feierlichkeiten im Juli und August 1750, die der König in Berlin und Potsdam aus Anlass des mehrmonatigen Besuchs des Markgrafen und der Markgräfin von Bayreuth der in der Literatur als »Lieblingsschwester« Friedrichs betitelten Wilhelmine organisieren ließ. In einem Brief an seine Schwester hatte er angekündigt, er wolle sie ganz »ohne Zeremonie empfangen, die Sie nicht lieben und die ich verachte«, aber seiner Freude über ihren Besuch Ausdruck verleihen mithilfe »von Festen, die Sie unterhalten werden, ohne Sie in Verlegenheit zu stürzen.« Deutlich wird hier also, dass die bekannten ironischen Distanzierungen Friedrichs von höfischem Zeremoniell und »Pomp«, vom »eitlen Glanz frivoler und unnützer Zeremonien« nicht einfach als Absage an zeremonielles Handeln als solches lesbar sind. Diese Sprechakte dürfen nicht einfach als Ausdruck einer konsistenten, vermeintlich aus jeder Äußerung ablesbaren Programmatik herrscherlichen Handelns gewertet werden, sondern müssen in ihrem jeweiligen, häufig von literarisch-konversationellen Genrekonventionen geprägten, Kontext betrachtet werden. Als Beleg für Friedrichs Verachtung für Präzedenzstreitigkeiten zitierte Bemerkungen wie jene, die er 1751 bei einer Rangstreitigkeit unter den Damen des Hofes geäußert haben soll (»Die Dümmste soll vorangehen.«), waren zudem selbst im 18. Jahrhundert bereits jahrhundertealte Wandertopoi. Friedrichs Abneigung gegen »Zeremoniell« ist zumeist in Gegensatz zu seiner ausgedehnten Bautätigkeit oder zu Festen wie dem ebenbeschriebenen gesehen worden, worin dann einer jener vermeintlichen Widersprüche aufscheine, wie sie ja auch sonst für diesen Monarchen charakteristisch seien. Allerdings ist es angezeigt, mit scheinbar einleuchtenden, in der Forschung lange dominierenden Gegensatzpaaren wie Aufklärung versus Hof oder Öffentlichkeit versus absolute Monarchie, die einen vermeintlich klaren Weg in die Moderne nachzuzeichnen erlauben, vorsichtig umzugehen. Daher ist auch Zurückhaltung dabei angebracht, in der höfisch-dynastischen Praxis Friedrichs des Großen (aber auch des 18. Jahrhunderts überhaupt) »Widersprüche« zu diagnostizieren, die sich ja erst aus diesen Kategorisierungen ergeben. Denn Zeremoniell blieb bei allem Spott auch für den dritten preußischen König unverzichtbar. Auch der vermeintlich so informelle Friedrich suchte seinen eigenen Rang in Relation zu anderen Herrschern wie zu seiner machtpolitisch relevanten Umgebung in Preußen selbst stets aufs Neue zu bestätigen. Sowohl innerhalb der Dynastie wie innerhalb des Militärs wird dies deutlich in der periodisch immer wieder erfolgenden zeremoniellen Abwertung seiner Geschwister wie auch herausragender Offiziere, ebenso in der von ihm genau kontrollierten Abfolge und Ausgestaltung der Hoffeste bis hin zu den Sitzordnungen der Hofdamen im Theater. Die bedeutenden Generäle und nahen Verwandten Prinz Heinrich und Herzog Ferdinand von Braunschweig, die während des Krieges eigenständig ganze Armeen geführt und Friedrich den Rücken freigehalten hatten, wurden wieder auf den Rang bloßer Regimentskommandeure zurückgestuft, denen zudem noch bei Revuen öffentlich Gunstverlust bezeigt wurde. Den dadurch bedingten Verlust herausragender militärischer Kompetenzen nahm Friedrich offenbar bewusst in Kauf. Bei seinen Zusammentreffen mit rangniederen auswärtigen Fürstlichkeiten verfuhr Friedrich bei Handgewährung wie Tischordnung genauestens nach den Regeln des Zeremoniells, so auch beim Besuch des Markgrafenpaars von Bayreuth im Sommer 1750. Der vermeintliche, …


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