Genre:
Philosophie-Lexika
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
31.10.2011
"Gelingendes Handeln" wirkt gesellschaftlicher Diskriminierung entgegen und veranlasst so einen bemerkenswerten Wandel. Elisabeth Conradi stellt Konzeptionen und Erscheinungsformen gelingender sozialer Praxis vor und geht auf die Schlüsselrolle der Zivilgesellschaft für die Veränderungsprozesse ein. Die gelingende zivilgesellschaftliche Praxis ist kosmopolitisch: Der dadurch ermöglichte Wandel führt zur innergesellschaftlichen Inklusion und zur Entwicklung einer "Weltgesellschaft", in der Achtung und Anerkennung zwischen den Menschen zunehmen.
»Gelingendes Handeln« wirkt gesellschaftlicher Diskriminierung entgegen und veranlasst so einen bemerkenswerten Wandel. Elisabeth Conradi stellt Konzeptionen und Erscheinungsformen gelingender sozialer Praxis vor und geht auf die Schlüsselrolle der Zivilgesellschaft für die Veränderungsprozesse ein. Die gelingende zivilgesellschaftliche Praxis ist kosmopolitisch: Der dadurch ermöglichte Wandel führt zur innergesellschaftlichen Inklusion und zur Entwicklung einer »Weltgesellschaft«, in der Achtung und Anerkennung zwischen den Menschen zunehmen.
Autorentext
Elisabeth Conradi ist Professorin für Philosophie und Gesellschaftstheorie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart.
Leseprobe
Einleitung Der »Marsch auf Washington« gilt als einer der Höhepunkte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Mehr als 200.000 überwiegend afroamerikanische Männer und Frauen demonstrierten am 28. August 1963 friedlich für ihre Freiheit (freedom), für die tatsächliche Durchsetzung ihres Wahlrechts und die Gleichberechtigung bei der Vergabe von Arbeitsplätzen sowie gegen die damals in den Südstaaten der USA gesetzlich verankerte Segregation von Menschen entlang der Kategorien »white« und »colored«, beispielsweise in den öffentlichen Schulen und im Personennahverkehr. Als einer der Redner dieser Großdemonstration hielt Martin Luther King eine berühmt gewordene Ansprache, in der er rhetorisch das Bild einer Welt ohne Rassismus entwarf. Er äußerte dabei die Hoffnung »that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character«. Das amerikanische civil rights movement war überaus erfolgreich, und dennoch ist die von Martin Luther King formulierte Vision bisher im Hinblick auf seine Kinder nicht in Erfüllung gegangen. Was muss noch geschehen und woran lässt sich bereits anknüpfen, damit diese Vision für seine Enkeltochter zur Realität wird? In mehrfacher Hinsicht ist die durch Diskriminierung und Segregation geprägte Situation in den USA der 1950er Jahre in dieser Studie ein Bezugspunkt: Auf die Zivilcourage von Rosa Parks, die durch die Weigerung, ihren Sitzplatz im Bus freizugeben, einen Anstoß zur Aufhebung der Segregation im Personennahverkehr gab, wird ebenso eingegangen wie auf die Überlegungen Hannah Arendts zur Segregation in den Schulen und zur Rolle von Staat und Gesellschaft bei deren Aufrechterhaltung. Eingehend werden auch die Vorschläge des Soziologen Charles Johnson zur Verbesserung der race relations erörtert. Gleichwohl handelt dieses Buch nicht von den nordamerikanischen Verhältnissen des letzten Jahrhunderts, sondern von der europäischen Gegenwart. Denn die von Martin Luther King geäußerte Hoffnung, Menschen würden eines Tages nicht mehr nach ihrem körperlichen Erscheinungsbild beurteilt werden, bleibt für Viele in Deutschland derzeit noch ein unerfüllter Wunsch. Wer sich im Rollstuhl fortbewegt, sein Schwulsein nicht versteckt, erkennbar eine Kippa trägt oder im Hinblick auf die Hautfarbe als fremd betrachtet wird, kann sich im öffentlichen Raum nicht durchgehend sicher fühlen und muss mit gesellschaftlicher Diskriminierung rechnen. Diese zeigt sich in Form von im Vorübergehen fallen gelassenen oder direkt geäußerten Bemerkungen. Sie zeigt sich bei der Wohnungssuche, bei der Verwehrung des Zutritts zu einer Diskothek oder beim gescheiterten Versuch, Aufnahme in einen Kleingartenverein zu finden. Kinder müssen auf ihrem Schulweg Anfeindungen ertragen, Erwachsenen wird mehr oder weniger dezent deutlich gemacht, dass sie an bestimmten Orten unerwünscht sind oder zumindest als Fremdkörper wahrgenommen werden. Solche Formen der Diskriminierung in der europäischen Gegenwart bilden den Ausgangspunkt dieses Buches. Es handelt von den Möglichkeiten, diese zu verringern, also von den Chancen einer gesellschaftlichen Transformation mit dem Orientierungspunkt zunehmender Inklusion, und regt an, über Europa hinauszudenken. Denn Diskriminierung ist ein weltweites und insbesondere ein inner-weltgesellschaftliches Problem, das eine entsprechende konzeptuelle Fassung verdient. Dies soll im Rahmen eines gesellschaftlichen Kosmopolitismus geschehen. Gesellschaftlicher Kosmopolitismus Zu welchen normativen Überlegungen führt die Tatsache, dass Menschen die Erde gemeinsam bewohnen? So lautet die kosmopolitische Frage, und Antworten darauf liegen in der politischen Theorie der Gegenwart in zahlreichen Varianten vor. In zeitgenössischen Konzepten finden sich unterschiedliche historische Grundgedanken. Viele Ansätze eint die Vorstellung einer Horizonterweiterung des Individuums über die engen Grenzen der nationalen Gemeinschaft hinaus. Weiter lassen sich drei in der Stoa bedeutsame Ideen des Kosmopolitismus unterscheiden: eine vom Kyniker Diogenes behauptete Identität als Weltbürger, die von Seneca hervorgehobene zweifache Zugehörigkeit des Menschen zu seiner lokalen Herkunftsgemeinschaft und zur gesamten Menschheit sowie die von Plutarch akzentuierte Forderung, wir sollten alle menschlichen Wesen als unsere Mitmenschen und Nachbarn ansehen. Zeitgenössische Konzepte greifen aber auch aufklärerische Entwicklungsvisionen auf: Sie knüpfen an einen auf Veränderung ausgerichteten Kosmopolitismus an, der Möglichkeiten einer zukünftigen Entwicklung beschreibt. Der in diesem Buch pointierte gesellschaftliche Kosmopolitismus unterscheidet sich maßgeblich von anderen Spielarten: Es geht nicht um ein Plädoyer für die Föderation lokaler politischer Institutionen als einem politischen Ziel der Internationalen Beziehungen. Es geht aber auch nicht um die Vision einer Transformation politischer Zugehörigkeit, in der global citizens sich in der Welt zuhause fühlen. Beide Optionen, ein institutionell-ordnungspolitisch und ein individuell-ethisch verstandener Kosmopolitismus, werden in der aktuellen Diskussion einander gegenübergestellt und deren Verhältnis zueinander erwogen. Bei der Beantwortung der bereits angeführten kosmopolitischen Frage, zu welchen normativen Überlegungen die Tatsache veranlasst, dass Menschen die Erde gemeinsam bewohnen, berücksichtigt das vorliegende Buch jedoch nicht nur Individuen oder Staaten als Akteure, sondern nimmt insbesondere die Gesellschaft und das gesellschaftliche Zusammen-Handeln in den Blick. Der gesellschaftliche Kosmopolitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er durch bestimmte Formen der Praxis entsteht. Das jedenfalls lässt sich von Marcus Tullius Cicero lernen, der diverse Handlungsweisen benennt, die den Zusammenhalt der Weltgesamtheit fördern können. Cicero beschreibt Ausprägungen sozialer Praxis, die er als gelingend ansieht und von denen er annimmt, sie könnten die Verbindungen unter den Menschen unterstützen, sich also in dieser Hinsicht positiv auswirken. Die Frage, was aus der tatsächlich vorhandenen Praxis im Hinblick auf die gesellschaftliche Transformation gelernt werden kann, ist dabei wesentlich.
Inhalt
Inhalt Vorwort 11 Einleitung 15 Gesellschaftlicher Kosmopolitismus 16 Inklusion als Thema politischer Theoriebildung 18 Transformation durch zivilgesellschaftliches Handeln 21 Vorgehensweise 22 I. Gesellschaftliche Diskriminierung: Der Körper im öffentlichen Raum 27 1. Der Körper als Fluchtpunkt von Zuschreibungen 28 Was bedeutet Diskriminierung? 29 Absichtslose Zurückweisung 31 Die Krankheit des Sozialen: Phobi…
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