Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
10.09.2013
Englische Piraten in der Karibik, »Rotröcke« in den nordamerikanischen Kolonien, reiche Nabobs in Indien, fromme Missionare in Afrika, ans Ende der Welt verbannte Sträflinge in Australien, Marinesoldaten auf den Schiffen der Royal Navy auch auf ihren Schultern ruhte das Weltreich, das Großbritannien ab dem 17. Jahrhundert im Dienste Ihrer Majestät errichtete. Auf seinem Höhepunkt um 1900 umfasste dieses riesige Gebilde ein Viertel der Menschen und der Landmasse der Erde. Doch wie gelang es den Briten überhaupt, ihr Empire aufzubauen? Wie beherrschten und verteidigten sie es fast 400 Jahre lang? Warum zerbrach es ausgerechnet im 20. Jahrhundert? Und was können andere Imperien daraus lernen? Der Oxforder Historiker John Darwin, einer der besten Kenner der Geschichte des British Empire, zeigt in diesem Standardwerk, warum sich dieses Weltreich so weit ausdehnen und so lange halten konnte organisierte Gewalt, so seine These, habe zur Herausbildung einer Identität und zu dessen »Erfolgsgeschichte« wesentlich beigetragen.
»International einer der angesehensten Historiker des britischen Imperialismus und ansässig in Oxford, trägt Darwin seine Thesen in gelehrter Distanz und englischer Eleganz vor. Dass sein neuestes Buch nur innerhalb eines Jahres nun auch auf Deutsch vorliegt, ist eine großartige Sache.« Benedikt Stuchtey, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2013 »Ein beeindruckendes Werk, an dem sich die weitere historische Forschung wird abarbeiten und messen lassen müssen.« Jürgen Zimmerer, Damals, 01.02.2014 »John Darwin bearbeitet 400 Jahre britische Geschichte leicht und doch präzise formuliert. Er schreibt weder antiimperialistisch noch nostalgisch und macht Lust, hinter die gängigen Klischees zu blicken.« Nana Brink, Deutschlandradio Kultur, 26.01.2014 »John Darwin hat eine brillante Geschichte des Britischen Empire geschrieben« Der Tagesspiegel, 09.04.2014 »Viele schöne Geschichten in diesem Buch« Mario Scalla, Hessischer Rundfunk, 23.10.2013 »Ein lesenswertes Buch über das britische Imperium« Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.10.2013 »[...] ein großer Wurf, geschrieben in bester britischer Historikertradition« Preußische Allgemeine Zeitung, 07.03.2015
Vorwort
Siedler, Seeleute und Soldaten
Autorentext
John Darwin war von 1984 bis 2019 Beit University Lecturer für die Geschichte des Britischen Commonwealth an der Universität Oxford. Er gilt als einer der führenden Vertreter der Globalgeschichte.
Leseprobe
Das atlantische "Grenzland" Im späten 17. Jahrhundert waren die Engländer (vor der Union von 1707 waren die Schotten noch weitgehend ausgeschlossen) in einem riesigen Aktivitätsbogen tätig, der von Gambia und der "Sklavenküste" (dem heutigen Benin) in Westafrika über Barbados und Jamaika in der englischen Karibik und den Carolinas, der Chesapeake Bay und Neuengland auf dem nordamerikanischen Festland nördlich bis nach Neufundland mit seinen riesigen Kabeljaufanggründen reichte. Die Achse, um die sich alles drehte, bildete die Karibik, von wo die Engländer wie magnetisch angezogen worden waren. Ihre atlantische Expansion hatte im wahrsten Sinn des Wortes im Kielwasser der Spanier begonnen, und sie hofften, auf den Inseln oder dem benachbarten Festland auf ähnliche Gold- und Silberschätze zu stoßen, über die diese gestolpert waren. Hierin hatte zum Beispiel der Zweck von Raleghs Expeditionen zum Orinoco im heutigen Venezuela bestanden. Jedoch wollten sie nicht nur selbst Schätze finden, sondern durch Überfälle auf Konvois auch möglichst viel von dem Edelmetall rauben, das die Spanier in ihr Mutterland brachten. Gerade die besondere karibische Geografie machte diese Unternehmungen lohnenswert. Es war eine Frage des Zugangs. Nachdem Kolumbus den Weg dorthin gewiesen hatte, war es ziemlich leicht, die Westindischen Inseln von Europa aus zu erreichen. Es war ganz gewiss viel einfacher, als gegen die vorherrschenden Westwinde direkt über den Atlantik zu segeln. Auf der Höhe der Azoren und Madeiras kamen die Schiffe aus Europa in den Bereich der Passatwinde, mit deren Hilfe sie ziemlich schnell, in fünf oder sechs Wochen, die Inseln über und unter dem Wind (gemeinsam auch als Kleine Antillen bekannt) am östlichen Rand der Karibik erreichten. Die Spanier hatten sich für diese kleinen Inseln und Barbados nicht allzu sehr interessiert und sich eher auf Hispaniola und Kuba konzentriert, von wo aus sie ihre Entrada in Mexiko starteten. Als das Silber aus Mexiko und Spanisch-Peru (das nach Panama gebracht wurde, um von dort nach Europa verschifft zu werden) die Gier der Engländer weckte, wurden deren Taktiken von der karibischen Geografie diktiert. Das Festungsnetz der Spanier und ihre starke Flottenpräsenz machte es den Engländern unmöglich, einen Stützpunkt in der Nähe des mittelamerikanischen Festlands zu errichten. Nicht zuletzt aufgrund dieser Schwäche lagen ihre ersten permanenten Siedlungen am äußersten Rand der Karibik auf St. Kitts (seit 1624) und Barbados (seit 1627). Keine von ihnen war als Ausgangspunkt eines Überfalls auf die Silberkonvois geeignet, da diese auf ihrer Rückfahrt nach Europa vorzugsweise die Floridastraße zwischen Kuba und Florida (wo die Schiffe auf den Golfstrom trafen) passierten und dann nach Norden und Osten an der nordamerikanischen Küste entlangsegelten, bis sie die Westwinddrift erreichten, die sie nach Europa beförderte. Die Floridastraße wurde von der größten spanischen Zitadelle Havanna überwacht. Sie war ideal gelegen, um die wichtigste und gefährdetste Etappe der Heimreise der Silberflotte zu schützen. Das nordamerikanische Festland war dagegen erst einmal von nachrangiger Bedeutung. Zwar hatten bereits Gilbert und Ralegh von einer amerikanischen Kolonie geträumt. Allerdings hatte Ralegh Roanoke Island im heutigen North Carolina aus einem ganz bestimmten Grund ausgewählt: Die Insel lag weit genug im Norden, um außer Reichweite der spanischen Stützpunkte in Florida zu sein. Trotzdem konnte sie immer noch als Basis für einen Überfall auf deren Silberkonvois dienen. Der Ort, an dem man 1607 Jamestown gründete, spiegelte dasselbe Bedürfnis nach Schutz vor spanischen Angriffen wider, da er etwas von der Meeresküste entfernt lag. Vielleicht hegte man auch in diesem Fall die Hoffnung, man könnte von dort aus die zurückkehrenden Gold- und Silberflotten überfallen. Darüber hinaus brachten die Engländer auf ihre Festlandsunternehmungen eine ganze Reihe von "karibischen" Erwartungen und Erfahrungen mit. Sie prägten ihre Vorstellungen von der Kolonie, die sie dort errichten wollten, und ihre Erwartung, auf welche Völkerschaften sie dort stoßen würden. Tatsächlich hatte die erste Gruppe der Jamestown-Siedler erst einmal einen einmonatigen Zwischenaufenthalt in der östlichen Karibik eingelegt, bevor sie zur Chesapeake Bay weitersegelte. Aufgrund ihres Windsystems blieb die Karibik das Tor nach Amerika. Obwohl die meisten englischen Kolonien in der Karibik sogar nach Virginia und der Plymouth Plantation der Pilgerväter von 1620 gegründet wurden, holten sie rasch auf und zogen bald sehr viel mehr Siedler an, die dort einen größeren Wohlstand zu erreichen hofften. Im 17. Jahrhundert wanderten etwa 210 000 Einwohner der Britischen Inseln in die Karibik und etwa 175 000 an die Chesapeake Bay, in die "mittleren Kolonien" und nach Neuengland aus. Tatsächlich war das dritte englische Siedlungsgebiet an der nordamerikanischen Ostküste nach der Chesapeake Bay und Neuengland in den Carolinas ein Ableger der "englischen" Inseln Barbados und Leeward Islands. Die englische Karibik war ein eigenartiges "Grenzland". Die Engländer trafen dort auf ein indigenes Volk, die Kariben, deren Ruf bereits durch spanische Berichte und Erzählungen geschädigt worden war. Auch eine populäre englische Darstellung aus dem frühen 17. Jahrhundert schlug in diese Kerbe, als sie ihnen einen Hang zu Sodomie, Inzest, Ehebruch und Kannibalismus zuschrieb. Tatsächlich hatte nicht zuletzt der …
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