Genre:
Regional- und Ländergeschichte
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
30.04.2013
Seit seinem Bestehen ist Frankfurt ein Knotenpunkt für Handel und Wirtschaft und entsprechend vom Kommen und Gehen der Menschen geprägt. Neben den Zuwanderern aus umliegenden Regionen kamen jüdische Einwanderer seit dem Mittelalter, Kaufleute und christliche Glaubensflüchtlinge seit dem 16. Jahrhundert, deutsche Flüchtlinge nach den beiden Weltkriegen, ausländische Arbeitsmigranten ab 1960, schließlich Asylbewerber und Armutsflüchtlinge aus anderen Kontinenten sowie Angestellte internationaler Firmen. Das Buch, herausgegeben vom Frankfurter Amt für multikulturelle Angelegenheiten, bietet die erste Gesamtdarstellung der Einwanderung nach Frankfurt seit dem Mittelalter bis heute. Ernst Karpf schildert darin, wie die Stadt auf die Zuwanderer reagierte und zwischen den unterschiedlichen Interessen ihrer Einwohner vermittelte. Dabei wird deutlich, wie sehr die Entwicklung der Stadt von der Zuwanderung abhängig war und ist und dass auch in früheren Zeiten intensiv über Fragen der Integration debattiert wurde.
Autorentext
Ernst Karpf, Dr. phil., Historiker und Webentwickler, arbeitet freiberuflich unter anderem zu Themen der Stadtgeschichte für Frankfurter Museen und Institute.
Klappentext
Städte sind als Knotenpunkte für Handel und Wirtschaft vom Kommen und Gehen der Menschen geprägt. Das gilt für Frankfurt am Main in besonderer Weise. Neben den Zuwanderern aus umliegenden Regionen kamen jüdische Einwanderer seit dem Mittelalter, Kaufleute und christliche Glaubensflüchtlinge seit dem 16. Jahrhundert, deutsche Flüchtlinge nach den beiden Weltkriegen, ausländische Arbeitsmigranten ab 1960, schließlich Asylbewerber und Armutsflüchtlinge aus anderen Kontinenten sowie Angestellte internationaler Firmen. Von den mittelalterlichen Anfängen bis in unsere Gegenwart schildert Ernst Karpf die vielfältige Geschichte der Einwanderung nach Frankfurt. Dabei interessiert ihn vor allem, wie die Stadt auf die Zuwanderer reagierte und zwischen den unterschiedlichen Interessen ihrer Einwohner vermittelte. Deutlich wird am Ende, wie sehr die Entwicklung der Stadt von der Zuwanderung abhängig war und ist - und dass auch in früheren Zeiten intensiv über Integration sowie soziale und kulturelle Fragen debattiert wurde.
Leseprobe
Fazit Die Geschichte Frankfurts ist, wenn man die Seiten dieses Buches Revue passieren lässt, seit dem 12./13. Jahrhundert durch vielfältige Einwanderung geprägt worden, die als Prinzip der städtischen Entwicklung des »Wachsens und Blühens«, wie man es früher genannt hätte die Kommune in ihrer jetzigen Gestalt überhaupt erst möglich gemacht hat. Dies bedeutete für die städtische Gemeinschaft im Verlauf der historischen Epochen zugleich Kontinuität und Veränderung. Die vormoderne städtische Gesellschaftsordnung baute auf einem Neben- und Übereinander unterschiedlicher Gruppen auf, die sich nur auf dem Markt, nicht aber im Ehebett vermischten. Ständische Gliederung meinte eben auch eine zutiefst gespaltene Gesellschaft, in der Identitätsbildung nur in kleinen, voneinander abgeschlossenen Zusammenhängen möglich war. Einwanderer mussten in einer solchen Gemeinschaft Anschluss finden also Mitglieder einer bestimmten Zunft oder Gesellenbruderschaft werden oder aber untereinander eine eigene gesellschaftliche Infrastruktur aufbauen. Das Schicksal der jüdischen Gemeinde Frankfurts, die von Anfang an Teil der Stadtgesellschaft war, ist für diesen Prozess das eindeutigste Beispiel, war sie doch bis zur Aufklärung an ihrer religiös-kulturellen Eigenständigkeit ebenso stark interessiert wie die christliche Mehrheitsgesellschaft an ihrer aggressiven Ausgrenzung. Mit der Konfessionalisierung, das heißt mit den Spaltungen der christlichen Religion wurde im 16. Jahrhundert das Problem auch innerhalb der Mehrheitsgesellschaft akut und eine neue Grenzlinie in die Stadt eingezogen, die ebenfalls erst mit der Aufklärung ihre identitätsstiftende Wirkung zu verlieren begann. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts galten im eigenständigen Stadtstaat Frankfurt etwa die Hälfte der Einwohner rechtlich als »Fremde«, das heißt, als Ausländer, nämlich alle diejenigen, die keine Frankfurter Bürger waren. Diese Fremden waren zum größten Teil junge und unverheiratete Arbeitsmigranten auf Zeit. Die Prinzipien der bürgerlichen Gleichheit in Verbindung mit der Massenmobilität der Industrialisierungsepoche haben jedoch die materiellen Grundlagen für ein neues Verständnis von städtischer Gemeinschaft geschaffen, in der alle Individuen freien Zuzug und freie Assoziationsmöglichkeiten untereinander haben sollten die Demokratisierung ist so auch die Folge der großen Einwanderungsbewegungen in die Städte gewesen. Zugleich aber entstand in jener Zeit der deutsche Nationalstaat, der auf der Suche nach seiner Identität Zugehörigkeiten und Ausgrenzungen nach einem Konzept des »Deutschen« zu bestimmen begann. Als erste Ausländer dieses neueren Typs wurden in Frankfurt aus Osteuropa gekommene Juden wahrgenommen, die nicht mehr nur religiösen, sondern rassistischen Vorbehalten ausgesetzt waren. Die politische Zuspitzung und Überschreitung dieses Konzepts vom »Deutschsein« hin zum Prinzip der »Rasse« im nationalsozialistischen Terrorstaat wurde schließlich vor allem den jüdischen Menschen, aber auch Sinti und Roma zum tödlichen Verhängnis. Die Entwicklungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs haben die Internationalisierung weiterer Lebensbereiche beschleunigt, eine Tendenz, die sich nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft unter freieren Bedingungen und mit langfristigen Folgen nach innen und nach außen fortsetzte. Zunächst aber wurden nach 1945 die aus den ehemals deutschen Gebieten im Osten vertriebenen und aus der DDR geflohenen deutschen Staatsbürger mit einem Anteil von einem Viertel zu einem gewichtigen Teil der Frankfurter Bevölkerung. Trotz ihrer großen Zahl haben sich diese Zuwanderer in der Stadt nicht wirklich als eigene Gruppe definiert. Ab 1960 begann dann mit der massenhaften Ansiedlung von Menschen aus Ländern anderer Sprache und Kultur in kürzester Zeit eine ganz neue Ära der Zuwanderung, die als »Gastarbeiterzeit« in die Geschichte einging. Die in den beiden Weltkriegen erprobte Praxis der Zwangs- und Fremdarbeit, in der bereits der Begriff des »Gastarbeitnehmers« eingeführt wurde, stand zwar am Anfang noch Pate, das daran orientierte gesellschaftliche Modell scheiterte aber mehr oder weniger sofort an den anderen Ausgangsbedingungen einer zivil verfassten Wirtschafts- und Gesellschaftsorganisation. Zunächst versuchte man in der Stadtverwaltung, der neuen Situation durch eine gesonderte Sozialpolitik für die »Gastarbeiter« gerecht zu werden. Die Sozialverwaltung erhielt hierfür eine Querschnittsaufgabe und begann Mittel für die vor allem als spezifische Kultur- und Freizeitbetreuung organisierte Arbeit von Wohlfahrtsverbänden bereitzustellen. Doch die aus wirtschaftlichen Gründen gerufenen und aus ebensolchen Gründen gekommenen ausländischen Arbeitskräfte wurden zwangsläufig Teil der Gesellschaft, weil sie hier immer mehr ihren Lebensmittelpunkt zu organisieren versuchten. Daher erwiesen sich die Wohnsituation der Einwanderer und die Bildungschancen ihrer Kinder als ein immer drängenderes soziales Problem, dem sich Politik und Verwaltung stellen mussten. Vor allem im »Häuserkampf« des Westends wurden die fatalen Seiten einer ungebremst kapitalistischen »Integration« der Migranten in das System für die Öffentlichkeit erkennbar. Angesichts dieses Sichtbarwerdens der in Frankfurt arbeitenden und wohnenden Ausländer begann in der städtischen Verwaltungspraxis ein langes Bemühen um Problemlösungen durch Strukturveränderungen. Diesmal versuchte man, sich einerseits fundiertere soziologische Kenntnisse über die Situation der Arbeitsmigranten in der Stadt zu verschaffen und andererseits in Form von Arbeitsgruppen koordinierte ämterübergreifende Ak…
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