Einband:
Kartonierter Einband
Untertitel:
Perspektiven einer postnationalen Soziologie
Genre:
Soziologische Theorien
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Sozialwissenschaftler debattieren seit Jahrzehnten über die globale Vergesellschaftung: Der Behauptung, die Soziologie neige zu einem methodologischen Nationalismus, steht die These gegenüber, das Fach finde alle Antworten auf die Globalisierung bereits bei seinen Klassikern vor. Oliver Römer schlägt eine Brücke zwischen beiden Positionen: Indem er die sozialtheoretischen Grundlagen der Globalisierungsdiskussion herausarbeitet, entwirft er Perspektiven einer postnationalen Soziologie.
Autorentext
Oliver Römer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Würzburg.
Klappentext
Sozialwissenschaftler debattieren seit Jahrzehnten über die globale Vergesellschaftung: Der Behauptung, die Soziologie neige zu einem methodologischen Nationalismus, steht die These gegenüber, das Fach finde alle Antworten auf die Globalisierung bereits bei seinen Klassikern vor. Oliver Römer schlägt eine Brücke zwischen beiden Positionen: Indem er die sozialtheoretischen Grundlagen der Globalisierungsdiskussion herausarbeitet, entwirft er Perspektiven einer postnationalen Soziologie.
Leseprobe
1. Gesellschaft, Gesellschaftsformation, Gesellschaften - Eine Einleitung Das Problem des methodologischen Nationalismus und die (mindestens) doppelte Gründungssituation der Soziologie Gegenstand dieses Buches ist die seit den frühen 1990er Jahren entbrannte sozialwissenschaftliche Globalisierungsdiskussion. Mit dem zeitlichen Abstand von rund zwei Jahrzehnten ist die aufgeregte Neuartigkeit dieser auch außerhalb der soziologischen Fachöffentlichkeit wahrgenommenen Auseinandersetzung spürbar verflogen. Was jenseits einer modischen Zeitdiagnostik und bisweilen exotisch-kreativen Begriffsbildungen bleibt, ist ein Kern von sozialtheoretischen Fragen, die auch über die unmittelbare Tagesaktualität des zeitgenössischen Globalisierungsphänomens hinaus die Soziologie berühren. Insbesondere der schon in der Gründungsphase der modernen Soziologie stets virulente Begriff der Gesellschaft wird hier unter neuen historischen Vorzeichen wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt und die theoretischen und disziplinären Grundlagen der Soziologie erneut in Frage gestellt (vgl. u.a. Giddens 1996: 22 ff.; Luhmann 1998: 145 ff.). Wohl kaum ein neueres sozialwissenschaftliches Schlagwort hat diese grundsätzliche konzeptionelle Betroffenheit der Soziologie von der Globalisierungsdiskussion so pointiert auf den Punkt gebracht wie die in der jüngeren Vergangenheit mit großer Aufmerksamkeit bedachte Diagnose eines methodologischen Nationalismus in den Sozialwissenschaften: "Der Aufstieg der Soziologie fiel mit dem Aufstieg des Nationalstaates, des Systems internationaler Politik und des Nationalismus zusammen. Allein aus dieser historischen Eingebundenheit ergibt sich die Axiomatik des methodologischen Nationalismus, nach der Nation, Staat, Gesellschaft die natürlichen sozialen und politischen Formen der modernen Welt sind." (Beck 2005: 3) Bezogen auf das zeitgenössische Globalisierungsphänomen bedeutet dies, dass eine Soziologie, die unter diesen Bedingungen gegründet und institutionalisiert worden ist, blind für gesellschaftliche Konstellationen bleiben muss, in denen eine permanente Überschreitung, Verletzung und Unterwanderung sozialer, politischer und kultureller Grenzen längst ein derart alltägliches Phänomen geworden ist, dass es sogar plausibel erscheint, diese spezifische gesellschaftliche Erfahrung zur Signatur eines "globalen Zeitalters" (Albrow 1998) zu erheben (vgl. auch Pries 2007; Schroer 2006: 185 ff.). Dieser historische Generalverdacht gegen die soziologische Tradition ist nicht ohne Widerspruch geblieben. Unabhängig von allen berechtigten Versuchen einer erneuten historisch differenzierten Klassikerexegese unter Globalisierungsbedingungen besteht allerdings die eigentliche Schwierigkeit einer unter dieser Prämisse geführten Diskussion darin, dass dieser irgendwie einleuchtende Vorwurf an die soziologische Tradition in der konkreten Auseinandersetzung mit bestimmten soziologischen Positionen nur schwer adressierbar bleibt: "The paradox of the current debate on methodological nationalism is that no one admits being committed to it, and yet its presence is allegedly found in every corner of the contemporary social scientific landscape." (Chernilo 2011: 100) Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass auch in klassischen soziologischen Positionen und Denkweisen die Fixierung auf den modernen Nationalstaat keineswegs unmittelbar evident ist. Wie Ulrich Beck, der diese These in den letzten zehn Jahren in immer wieder neuen Anläufen in die soziologische Diskussion eingebracht hat, selbst bemerkt, soll es sich hier um eine spezifische Axiomatik, also eine unausgesprochene begriffliche Vorannahme handeln, die gewissermaßen im Rücken von bereits mindestens implizit theoriegeleiteten Begriffsbestimmungen und Hypothesenbildungen der Sozialwissenschaften liegt. Genau dies verlangt nun allerdings eine tiefergehende systematische Auseinandersetzung mit der hier zur Disposition stehenden soziologischen Tradition. Eine erste wichtige Spur ist die Beobachtung, dass sich gerade klassische soziologische Positionen im Bereich ihrer theoretischen und begrifflichen Grundlegungen noch am ehesten durch eine geradezu frappierende Abwesenheit des Nationalstaatsbegriffs auszeichnen: "[I]f we look at the writings of classical sociologists from about 1800 to 1920 (and even many sociologists thereafter), we find little explicit attention paid to problems of nationality and nationalism, as if the subject did not merit special, or separate, investigation; and concomitantly little interest in defining, a separate set of questions and definitions in this area." (Smith 1983: 19 f.) So beginnt beispielsweise Ferdinand Tönnies (2005: 1) sein ab der zweiten Auflage mit dem Titelzusatz Grundbegriffe der reinen Soziologie versehenes frühes Hauptwerk Gemeinschaft und Gesellschaft mit einer thematischen Fokussierung auf "Verhältnisse der gegenseitigen Bejahung", die empirisch sichtbar werden in den mannigfaltigen gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Be-ziehungen von Menschen zueinander. Zumindest im erweiterten Sinne an die Tönniesschen Unterscheidungen anschließend bestimmt schließlich Max Weber (1980) den Gegenstandsbereich der Soziologie ausgehend vom Problem des sozialen Handelns, Georg Simmel (1908) als allgemeine Form der sozialen Wechselwirkung zwischen vergesellschafteten Individuen und Emile Durkheim (1976) mit Bezug auf die Tatsache der sozialen Gebundenheit des Individuums. Das Problem des modernen Nationalstaates taucht bei all diesen Autoren - wenn überhaupt - erst im weiteren Verlauf der Darstellung auf. An dieser Stelle könnte man sich nun also vielleicht schon mit dem Hinweis beruhigen, dass schon die Gründerväter der modernen Soziologie dem modernen Nationalstaat trotz seines zu dieser Zeit unmittelbar spürbaren historischen Aufstiegs keine eindeutige Priorität einräumen. So betrachtet wäre in diesen Argumentationen genügend Kontingenzspielraum für eine beispielsweise von Durkheim und Marcel Mauss (2013) unter dem Oberbegriff Zivilisation zumindest abstrakt avisierte postnationale Form von Vergesellschaftung. Geht man dieses Problem allerdings zunächst einmal historisch an, kann man bemerken, dass bereits die Idee einer solchen Gründungsgeschichte der Soziologie mit allen systematischen Problemen des methodologischen Nationalismus konfrontiert bleibt. Sie geht mindestens implizit von einem relativ homogenen, zeitlich abgrenzbaren Gründungsmilieu aus, das auch in der weiteren fachwissenschaftlichen Entwicklung der Soziologie und ihrer Differenzierung in unterschiedliche Schul- und Wissenschaftstraditionen dem für Nationen kennzeichnenden Familienzu-sammenhang sehr stark ähnelt. Dass es nur schwer möglich ist, die Gründung der Soziologie auf einen solchen einheit…
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