Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
30.04.2014
"Helden" verkörperten im Sozialismus als öffentliche Personen und medial gestaltete Rollenvorbilder in besonderem Maße die Optimierungsversuche ihrer Gesellschaften. Ihre tatsächlichen physischen und psychischen Belastungen waren im Allgemeinen jedoch nicht sichtbar. Der Band fragt nach den Möglichkeiten der Darstellung von Erschöpfungszuständen im späten Sozialismus. Behandelt werden Beispiele aus Bildender Kunst, (Dokumentar-)Film, Fotografie und Literatur.
»Das Ausstellungs- und Forschungsprojekt, das der von Monica Rüthers und Alexandra Köhring herausgegebene Band dokumentiert, weist vielversprechende Wege in die Zukunft der Erforschung der Bildwelten des Sozialismus. Er zeigt, wie eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Akademien und Museen sowie zwischen Historiker/innen, Kunsthistoriker/innen und Künstler/innen ins Werk gesetzt werden kann.«, H-Soz-Kult, 28.10.2016
Autorentext
Monica Rüthers ist Professorin für Osteuropäische Geschichte an der Universität Hamburg, Alexandra Köhring, M.A., ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Klappentext
»Helden« verkörperten im Sozialismus als öffentliche Personen und medial gestaltete Rollenvorbilder in besonderem Maße die Optimierungsversuche ihrer Gesellschaften. Ihre tatsächlichen physischen und psychischen Belastungen waren im Allgemeinen jedoch nicht sichtbar. Der Band fragt nach den Möglichkeiten der Darstellung von Erschöpfungszuständen im späten Sozialismus. Behandelt werden Beispiele aus Bildender Kunst, (Dokumentar-)Film, Fotografie und Literatur.
Leseprobe
Vorwort Die Ausstellung Müde Helden. Ferdinand Hodler, Aleksandr Dejneka, Neo Rauch in der Hamburger Kunsthalle im Frühjahr 2012 stellte drei bedeutende Positionen figurativer Malerei im 20. Jahrhundert vor. Alle drei Künstler beschäftigt - in jeweils unterschiedlichen zeitlichen und gesellschaftlichen Rahmen - das Heldenmotiv. Die eigenwillige Kombination bezog mit Aleksandr Dejneka einen der prominentesten Maler des Sozialistischen Realismus und eine tragende Figur der sowjetischen künstlerischen Elite ein. Die Zusammenstellung ermöglichte einen neuen Blick auch auf das sozialistische Projekt eines idealen "Neuen Menschen": Die Frage nach der Medialität gesellschaftlicher Vorbilder im Sozialismus, die von der osteuropäischen Geschichte bisher vor allem im engeren Kontext des sowjetischen Systems behandelt worden war, war in den übergeordneten Kontext der Persönlichkeits- und Individualitätskonzeptionen im 20. Jahrhundert gesetzt. Damit lud die Ausstellung geradezu zu einer weiterführenden Auseinandersetzung aus einer geschichtswissenschaftlichen Perspektive ein. Die zweite zentrale Leitfrage der Ausstellung, inwieweit die vorgestellten Künstler bereits Bruchstellen in die Bilder ihrer Helden setzten, erschien ebenso lohnend. Der Plan, den Problemhorizont der Ausstellung Müde Helden in einer Zusammenarbeit zwischen Universität und Museum weiter aufzuspannen, war gereift. Für die Hamburger Kunsthalle bot die Anfrage, das Thema der Aus-stellung aus dem erweiterten Blickwinkel verschiedener geschichtswissen-schaftlicher Fragestellungen zu beleuchten, willkommenen Anlass, über die Katalogpublikationen hinaus als forschendes Museum an die Öffentlichkeit zu treten. Eine Zusammenarbeit zwischen dem Museum als Ausstellungsort und der Universität als Institution der Forschung und Lehre ist für die kunstgeschichtliche Arbeit ein vielversprechender, wechselseitiger Prozess des Austauschs. Die außerordentliche Gelegenheit, ein großes Konvolut der in Russland überaus geschätzten Spitzenwerke Aleksandr Dejnekas aus dem Russischen Museum in Moskau, der Eremitage in St. Petersburg und dem Aleksandr-Dejneka-Museum in Kursk in Hamburg zu zeigen, rief förmlich nach einer unkonventionellen Herangehensweise. Nachdem die erste Station der Ausstellung in Moskau Dejneka als Protagonisten einer zeitlosen russischen Malerei zur nationalen Ikone stilisiert und heroisiert hatte, wählte die zweite Station der Tournee in Madrid mit dem Untertitel Eine Avantgarde für das Proletariat den Ansatz, seine figurativen Werke erstmals in den Kontext der avantgardistischen, abstrakten Bildsprache seiner russischen Zeitgenossen zu stellen und beide Darstellungsweisen zusammen zu zeigen. Die Hamburger Perspektive, Dejnekas Werk in eine Ge-schichte des Ideals des Neuen Menschen von der Lebensreformbewegung bis zum postsozialistischen Rückblick des Leipziger Malers Neo Rauch zu stellen, machte es möglich, Dejneka aus der singulären Rezeption heraus-zulösen, die ihn als figürlichen Maler des postrevolutionären Russland in der Genealogie eines erstarrten und ideologischen Sozialistischen Realis-mus positioniert. Vielmehr interessieren an seinem modernen Frühwerk eben jene Bruchstellen, die das Ideal des Neuen Menschen gegen eine ideologische Festschreibung abzugrenzen suchen. Das Anliegen, Dejneka als wichtigen Maler der europäischen Moderne neu zu entdecken, konnte durch die Untersuchungen in einem über die Kunstwissenschaft erweiterten akademischen Umfeld nur befördert werden. So traf die Idee, vom Historischen Seminar der Universität aus in Austausch mit der Hamburger Kunsthalle einen internationalen Workshop zum Thema der Ausstellung zu veranstalten, auf offene Ohren und die Gastfreundschaft der Kunsthalle, so dass während zweier Tage im Mai Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über erschöpfte Helden und Heldinnen im Sozialismus vortragen und diskutieren konnten. Freundliche und kurzfristige Unterstützung erfuhr das Vorhaben von der Susanne-und-Michael-Liebelt-Stiftung Hamburg. Bereits 1979 erschien eine der ersten umfangreichen Dokumentensammlungen zur sowjetischen Kunst Zwischen Revolutionskunst und sozialistischem Realismus im DuMont-Verlag, herausgegeben von Hubertus Gaßner und Eckhart Gillen (dieses Buch habe ihr Leben verändert, so eine von einer Workshop-Teilnehmerin an Hubertus Gaßner gerichtete Bemer-kung!). Doch verläuft die Forschung auf dem Gebiet der sozialistischen Avantgarde und des Sozialistischen Realismus im deutschsprachigen Raum bis heute vereinzelt. Zu selten fließen neuere geschichtswissenschaftliche Untersuchungen in das Ausstellungsgeschehen zur sowjetischen Kunst in Deutschland ein. Wir freuen uns daher, dass der Austausch über sozialistische Erschöpfungszustände mit dem vorliegenden Tagungsband einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden kann. Hubertus Gaßner, Monica Rüthers Einleitung Monica Rüthers, Alexandra Köhring Erschöpfung hat gegenwärtig Konjunktur. In erster Linie wird sie heute als seelische Erkrankung, als Symptom einer durch die postindustrielle Leistungs- und Dienstleistungsgesellschaft provozierten psychischen Anstrengung denn als Folge physischer Belastung und Arbeit diskutiert. Das breite Angebot an entsprechenden Heilungsangeboten sowie deren inhaltliche Ausrichtung verweisen auf ein zeitgenössisches Spannungsfeld: Während ein Belastungsdiskurs als integrativ gesellschaftlicher Aspekt Verbreitung und zunehmend Akzeptanz findet, stellt sich für das Individuum die Frage eines selbstverantworteten Umgangs. An diesem Konfliktpunkt setzt die vorliegende Publikation an, indem sie die Phänomene von Leistung, Erfolg und Erschöpfung als Bestandteile der Individualitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts im Kontext sozialistischer Gesellschaften betrachtet. Leitend ist dabei der Blick auf die Rolle der Bildmedien: Welche bildmedialen Strategien haben dazu beigetragen, dass sich ein solches Modell individueller Anspannung durchsetzen konnte, welche gegenläufigen Tendenzen gab und gibt es? Der Forschungsbereich "Bildwelten im Sozialismus" des Historischen Seminars der Universität Hamburg (Prof. Dr. Monica Rüthers) und die Hamburger Kunsthalle (Prof. Hubertus Gaßner) haben sich zusammengeschlossen, um Phänomenen von Erschöpfung in Bildmedien des (späten) Sozialismus nachzugehen. Das Publikationsprojekt basiert auf ei…
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