Einband:
Kartonierter Einband
Genre:
Feminismus & Geschlechterforschung
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
30.04.2015
Befindet sich Deutschland tatsächlich auf dem Weg in die »Single-Gesellschaft«? Sind Online-Beziehungen »normalen« Beziehungen unterlegen? Hat der Feminismus die Frauen trotz aller Errungenschaften unglücklicher gemacht? Fördern Kinder tatsächlich die Lebenszufriedenheit der Eltern, und was hat die Liebe damit zu tun, dass Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinanderdriften? Entlang solcher Fragen konfrontiert Rüdiger Peuckert Alltagsmythen aus dem Bereich Paarbeziehung, Familie, Geschlechterverhältnis und Sexualität mit den Ergebnissen nationaler und internationaler empirischer Studien.
Treibende Kraft hinter dem Wandel von Partnerschaft, Ehe und Familie ist die veränderte Rolle der Frau. Junge Frauen befinden sich heute in einer widersprüchlichen Situation, denn den typischen weiblichen Lebensentwurf gibt es nicht mehr. Zwar betonen Frauen heute verstärkt ihre Freiheit und Unabhängigkeit, sie können sich aber nicht von den traditionellen Rollenvorstellungen lösen. Doch auch die Männer sind von diesem Wandel betroffen wie sie angesichts ihrer bedrohten Männlichkeit reagieren, ist ebenfalls Thema dieses Buchs.
Autorentext
Rüdiger Peuckert lehrte als Professor für Soziologie an der Universität Osnabrück. Seine Schwerpunkte sind Sozialstrukturanalyse, Geschlechterverhältnisse, Soziale Ungleichheit, Familiensoziologie sowie Jugend- und Alterssoziologie. Mit »Familienformen im sozialen Wandel« (Springer VS, 8. Auflage 2012) liegt von ihm ein mehrfach aktualisiertes Standardwerk der Familiensoziologie vor.
Leseprobe
Einleitung: Die Soziologie als Mythenjägerin
Geschlechter- und Familienmythen sind weitverbreitete, wissenschaftlich nicht fundierte Meinungen, Überzeugungen und Glaubensinhalte, die im Alltagsleben unhinterfragt als Tatsachen angesehen werden. Norbert Elias spricht in diesem Sinne von der "Soziologie als Mythenjägerin" (Elias 2013). Das Wort Mythos stammt aus dem Griechischen und hat eine Vielzahl von Bedeutungen. Hier wird der Begriff im modernen Sinn als falsche Behauptung, Überzeugung, Glauben oder Ideal verstanden. Mythen als "Daumenregeln" wirken im Alltagshandeln entlastend, können aber auch verhängnisvolle Folgen haben.
Treibende Kraft hinter dem Wandel von Partnerschaft, Ehe und Familie ist, wie in diesem Buch gezeigt wird, die veränderte Rolle der Frau. Junge Frauen befinden sich heute in einer widersprüchlichen Situation, denn den typischen einheitlichen weiblichen Lebensentwurf gibt es nicht mehr. Frauen betonen heute einerseits verstärkt ihre Freiheit und Unabhängigkeit, können sich aber andererseits nicht völlig von den traditionellen Rollenvorstellungen lösen. Ihr Leben ist durch Inkonsistenzen und Ambivalenzen geprägt. Doch auch die Männer sind von diesem Wandel betroffen. Wie sie angesichts ihrer bedrohten Männlichkeit reagieren, ist ebenfalls ein Thema, das in diesem Band immer wieder aufgegriffen wird.
Die Studie konfrontiert in 44 Beiträgen weitverbreitete Alltagsmythen aus den Bereichen Paarbeziehungen, Familie und Geschlechterverhältnisse mit den Ergebnissen nationaler und internationaler empirischer Studien. Befindet sich Deutschland tatsächlich auf dem Weg in die Singlegesellschaft? Sind Hausfrauen eine unzufriedene, bemitleidenswerte und aussterbende Spezies, wie immer wieder zu hören ist? Hat der Feminismus die Frauen trotz aller unbestreitbaren Errungenschaften insgesamt unglücklicher gemacht? Ist die Regenbogenfamilie (gleichgeschlechtliche Familien; lesbische/schwule Elternschaft) eine ganz "normale" Familienform? Fördern Kinder tatsächlich die Lebenszufriedenheit ihrer Eltern und was hat die Liebe damit zu tun, dass Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinanderdriften?
Fast ausnahmslos handelt es sich um Studien, die auf umfangreichem Datenmaterial beruhen. Beiträge wie "Was bleibt von mir als Mann? Trotz Gleichberechtigung und partnerschaftlicher Beziehung: Wenn SIE mehr verdient als ER, kann das eine Liebe ruinieren" (FAS vom 26.01.2014), in denen anhand von (in diesem Fall nur drei) Einzelfällen Probleme von Männern in statusniedrigen Positionen angesichts ihrer bedrohten Männlichkeit erörtert werden, können bestenfalls für die Thematik sensibilisieren, lassen aber keine generalisierenden Aussagen zu.
Aber auch umfangreiche Datensätze, die für sich Repräsentativität beanspruchen, müssen kritisch hinterfragt werden, denn die Voraussetzungen einer Zufallsstichprobe sind so gut wie nie erfüllt. Die Ergebnisse können nur dann repräsentativ für eine bestimmte Grundgesamtheit - wie die erwachsene Bevölkerung Deutschlands - sein, wenn jeder die gleiche Chance hat, in die Stichprobe aufgenommen zu werden, und die Fragen nach bestem Wissen beantwortet. Die Selbstselektion verzerrt besonders die Angaben aus den inflationären Onlineumfragen, da hier allein die Kunden der Onlinepartnerbörsen befragt werden, die sich a priori systematisch von der Gesamtheit der Bundesbürger unterscheiden.
Insgesamt soll für einen kritischen Umgang mit Zahlen sensibilisiert werden. Zahlen, die auf den ersten Blick verlässlich erscheinen, können trotzdem täuschen. Medien und Wissenschaftler, die in die Medien wollen, ziehen generell große Unterschiede kleinen Zahlen vor. Was schließen wir daraus, wenn wir hören, dass der Anteil der unverheiratet zusammenlebenden Paare - der nichtehelichen Lebensgemeinschaften - an allen Lebensformen in nur 14 Jahren (zwischen 1992 und 2006) um fast 60 Prozent zugenommen hat? Auf den ersten Blick ein sensationelles Ergebnis, das bei näherem Hinsehen aber deutlich relativiert wird. Denn relative Risiken dramatisieren. Tatsächlich hat sich der Anteil nichtehelicher Lebensgemeinschaften lediglich von sieben Prozent auf elf Prozent erhöht. Die Behauptung, dass die Ehe immer häufiger durch alternative Lebensformen ersetzt wird, ist also prinzipiell richtig, in dieser Form aber irreführend.
Besonders problematisch bei der Interpretation empirischer Daten ist der gängige Schluss von der Gleichzeitigkeit der beobachteten Phänomene (einer Korrelation) auf einen Kausalzusammenhang: Das eine ist die Ursache, das andere die Wirkung. Was hat man von einem Untersuchungsergebnis wie "Verheiratete sind glücklicher als Ledige" zu halten? Kann man aus einer entsprechenden Korrelation ohne Weiteres schließen, dass Heiraten glücklicher macht? Dies ist möglicherweise schon deshalb ein Trugschluss, weil mehrfach nachgewiesen wurde, dass glückliche Menschen häufiger heiraten als unglückliche Menschen. Aus diesem Grund wird, wenn immer möglich, bei der Überprüfung von Alltagsmythen auf Längsschnittstudien zurückgegriffen, in denen die Erhebung zu mehreren Zeitpunkten mit derselben Stichprobe durchgeführt wurde. Das Glück wird also mindestens zweimal - einmal vor und einmal nach der Eheschließung - erhoben, sodass Rückschlüsse auf eine Kausalität möglich sind.
In dem Buch werden weitverbreitete populäre Vorstellungen aus den Bereichen Paarbeziehung, Familie, Geschlechterverhältnis und Sexualität mit den Ergebnissen nationaler und internationaler empirischer Studien konfrontiert. Dabei zeigt sich, dass einige Vorstellungen zutreffen, dass es sich aber in den weitaus meisten Fällen um Alltagsmythen handelt, das heißt um Stereotype und Klischees, die mit der empirischen Realität nicht kompatibel sind. Nicht auszuschließen ist, dass einige Alltagsmythen einst zutreffend gewesen und erst später zu Mythen geworden sind. So hat sich die Doppelmoral "Frauen, die freiwillig auf Kinder verzichten, werden stärker stigmatisiert als freiwillig kinderlose Männer" inzwischen in ihr Gegenteil verkehrt: Bewusst kinderlose Männer werden, zumindest von Frauen, stärker diskriminiert als bewusst kinderlose Frauen. Auch der noch vor einigen Jahrzehnten zutreffende Eindruck, dass Ehepaare mit Töchtern sich häufiger scheiden lassen als Ehepaare mit Söhnen, gilt inzwischen als durch die Forschung widerlegt.
Mythen können sich dysfunktio…
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