Arbeit in der digitalisierten Welt

Arbeit in der digitalisierten Welt

Einband:
Paperback
EAN:
9783593505022
Genre:
Arbeits-, Wirtschafts- & Industriesoziologie
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
30.11.2015

Die Digitalisierung verändert zunehmend die Arbeitswelt. Sie bietet Beschäftigten die Möglichkeit, Arbeitszeiten und -orte flexibel zu gestalten und gleichzeitig ergebnisorientiert zu arbeiten. Die Erfolge des Wirtschaftsstandorts Deutschland hängen stark davon ab, inwieweit es Wirtschaft und Gesellschaft gelingt, diese Veränderungen konstruktiv zu nutzen. Die Autorinnen und Autoren geben Antworten auf die Fragen, welche Rolle Arbeit zukünftig in der digitalen Gesellschaft spielen wird und wie die Arbeit der Zukunft gestaltet werden kann.

Autorentext
Christopher Schlick wa Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft an der RWTH Aachen. Er verstarb im Oktober 2016.

Leseprobe
Vorwort

Christopher M. Schlick

Unter dem Titel "Arbeit in der digitalisierten Welt" diskutierten am 28. und 29. Mai 2015 in Berlin mehr als 600 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aktuelle und zukünftige Herausforderungen der Arbeitsforschung und -gestaltung. Bundesministerin Prof. Dr. Wanka unterstrich in ihrer Eröffnungsrede die Notwendigkeit dieses multidisziplinären Diskurses und damit auch die Bedeutung dieser Fachtagung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichtet worden war.
Mit diesem Tagungsband erhielten die Beitragenden die Möglichkeit, ihre Ideen, Konzepte, Erkenntnisse oder Praxiserfahrungen in schriftlicher Form darzulegen und damit einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen. Der Tagungsband gibt einen guten Überblick über die vielfältigen und zum Teil kontrovers diskutierten Fachvorträge. Die Einzelbeiträge sind jeweils einer der zehn thematischen Sessions respektive dem jeweils korrespondierenden Kapitel zugeordnet.
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis macht die Komplexität und die Breite des Forschungs- und Gestaltungsfeldes deutlich: Das Spektrum reicht von sozialen und technischen Innovationen in der sogenannten Industrie 4.0 über Fragen der Sicherheit und der Gesundheit bis hin zu neuen Arbeits- und Beschäftigungsformen, wie Digital Working und Crowd Working. Potenziale durch vernetztes Lernen oder durch Automatisierung werden ebenso thematisiert wie Grenzen digitaler Führung von digitalen Belegschaften. Ferner werden innovative Konzepte zum Einsatz von Datenbrillen vorgestellt und die Auswirkung auf die arbeitenden Menschen diskutiert. Der Betrachtungsbereich schließt grundsätzlich Unternehmen aller Größen und Branchen ein; kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe finden aufgrund der typischerweise erschwerten Rahmenbedingungen besondere Beachtung.
Dass die Auseinandersetzung mit den realen, insbesondere aber den potenziellen Veränderungen und ihren Folgen ambivalente Reaktionen hervorruft, ist sicher nicht nur aus Sicht des Verfassers nachvollziehbar. So kann z. B. eine mithilfe von Informations- und Telekommunikationstechnologien realisierte Vernetzung von Arbeitspersonen durchaus eine Erweiterung der Partizipationsmöglichkeiten bedeuten, indem sie beispielsweise zeitliche und räumliche Distanzen überwinden hilft und bestimmte Formen der Kooperation, der Mitbestimmung oder Mitwirkung überhaupt erst ermöglicht. Gleichzeitig gilt es allerdings sicherzustellen, dass die Möglichkeiten der Beteiligung und Teilhabe nicht auf die Menschen beschränkt bleiben, deren Arbeit ohnehin computerbasiert erfolgt oder die zumindest eine hohe Computeraffinität besitzen. Bei der Lektüre der folgenden Textbeiträge finden sich sowohl weitere Beispiele, die potenzielle Chancen und Risiken aufzeigen, als auch erste Ansätze und Strategien, die zur erfolgreichen Bewältigung genereller oder branchenspezifischer Herausforderungen beitragen können.
Dem zuständigen Abteilungsleiter des BMBF, Herrn Prof. Dr. Lukas, folgend, darf und muss hier konstatiert werden, dass im Kontext der zunehmenden Digitalisierung nach wie vor erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht. Zudem muss der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis deutlich intensiviert werden. Die aktuellen Bekanntmachungen des BMBF greifen dies auf und adressieren die bestehenden Forschungslücken.
Als amtierender Präsident der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft möchte ich die Gelegenheit nutzen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der interdisziplinären arbeitsbezogenen Forschung darin zu bestärken, sich gemeinsam mit Unternehmen und ihren Beschäftigten aktiv an der Analyse bestehender und der vorausschauenden Gestaltung zukunftsfähiger Arbeitssysteme und -bedingungen sowie den damit verbundenen Bildungs- und Qualifizierungsprozessen zu beteiligen.
Als Herausgeber dieser Publikation möchte ich es gleichfalls nicht versäumen, allen Teilnehmenden und Beitragenden sowie den Ausrichtern und Organisatoren für das Gelingen der Veranstaltung und die Ermöglichung dieses Tagungsbandes herzlichst zu danken.

Arbeiten in der digitalen Welt

Vera Gäde-Butzlaff

1. Nicht die Risiken, sondern die Chancen sollten uns antreiben

Langsam setzt sich auch in Deutschland die Erkenntnis durch, dass etwas Grundlegendes im Gange ist. In der Debatte darüber, was genau im Rahmen der Digitalisierung mit der Gesellschaft passiert, nehmen Ängste und Risiken großen Raum ein. Tatsache ist: Die Welt, wie wir sie kennen, wird sich verändern - sie hat sich bereits verändert -, doch die gute Nachricht vorweg: Sie wird nicht untergehen.
Nicht jeder empfindet den digitalen Wandel als positiv: Das Allensbacher Institut für Demoskopie hat im vergangenen Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefragt, welche Chancen und Befürchtungen die Deutschen mit der Digitalisierung verbinden. Ein großer Teil der Befragten ist skeptisch. 39 Prozent der Deutschen über 16 Jahre sahen den Veränderungen durch das Internet und digitale Technologien eher mit Befürchtungen entgegen. Nur jeder Fünfte bewertete die anstehenden Veränderungen als positiv. Aus historischer Sicht ist Skepsis angesichts eines grundlegenden Strukturwandels nichts Neues. In der Geschichte der Industrialisierung spielt die Furcht vor gesellschaftlicher Veränderung traditionell eine sehr große Rolle. Der Blick auf die Vergangenheit legt aber nahe, dass die Befürchtungen auch in diesem Fall unbegründet sind.
Als die Industrielle Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts begann, das Gesicht Europas zu verändern, war es nicht allein die Angst vor dem Verlust von Arbeit und sozialer Perspektive, die Handwerker und Manufakturarbeiter auf die Straße trieb. Vielmehr hat in dieser Zeit eine grundsätzliche Furcht vor der Technisierung weiter Teile der Arbeits- und Lebensbereiche ihren Ursprung, die bis in die heutige Debatte um die Digitalisierung mitschwingt. Den Warnern und Kritikern geht es dabei um Freiheit und Selbstbestimmung. Sie befürchten, dass der Mensch zu einem "geistlosen und fremdbestimmten Anhängsel der Maschine" wird. Das kommt nicht etwa von Sascha Lobo, sondern von Karl Marx.
Allen Befürchtungen zum Trotz hat die Industrielle Revolution in den betroffenen Ländern zu einer Steigerung der Löhne, einer Verkürzung der Arbeitszeiten, zu einer erheblichen Anhebung des allgemeinen Lebensstandards, der durchschnittlichen Lebenserwartung und der sozialen Sicherheit geführt. Im Zeitraum von 100 Jahren verdoppelte bis verdreifachte sich die Produktivität der meisten Branchen.
Heute wissen wir, dass der Mensch keineswegs ein "Anhängsel der Maschine" geworden ist. Ganz im Gegenteil: Er hat gelernt, die neuen Technologien zu nutzen, um Produktivität, Infrastruktur, Mobilität und Kommunikation - kurz: seine Möglichkeiten und Freiräume - zu erweitern. Als Karl Marx seine Verelendungstheorie publizierte, war diese schon von der Realität überholt: Nie zuvor hatten die englischen Arbeiterhaushalte real so viel verdient wie 1867. In Deutschland verhielt es sich ganz ähnlich.
Mittlerweile blicken wir auf drei große Re…


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