Einband:
Kartonierter Einband
Genre:
Politische Soziologie
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
08.04.2016
Die Beziehungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen, technisierten Gesellschaften und der Natur bilden einen globalen Krisenzusammenhang. Was zeichnet diese Bedürfnisse aus und warum haben sich die Verhältnisse weltweit so verändert, dass inzwischen von einer neuen geologischen Epoche gesprochen wird, dem Anthropozän? Der Autor fragt, wie die Wissenschaft ihre Erkenntnisblockaden überwinden kann, um die krisenhaften Beziehungen zu begreifen und praktisch gestalten zu können. Aus dieser Perspektive skizziert er einen Weg in ein neues transdisziplinäres Forschungsfeld - und begründet darin das Programm einer Sozialen Ökologie als kritischer Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen.
Autorentext
Egon Becker, Physiker und Sozialwissenschaftler, war von 1972 bis 2000 Professor für Wissenschafts- und Hochschulforschung an der Universität Frankfurt. Er ist Mitbegründer des ISOE Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt/Main.
Klappentext
Die Beziehungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen, technisierten Gesellschaften und der Natur bilden einen globalen Krisenzusammenhang. Was zeichnet diese Bedürfnisse aus und warum haben sich die Verhältnisse weltweit so verändert, dass inzwischen von einer neuen geologischen Epoche gesprochen wird, dem Anthropozän? Der Autor fragt, wie die Wissenschaft ihre Erkenntnisblockaden überwinden kann, um die krisenhaften Beziehungen zu begreifen und praktisch gestalten zu können. Aus dieser Perspektive skizziert er einen Weg in ein neues transdisziplinäres Forschungsfeld - und begründet darin das Programm einer Sozialen Ökologie als kritischer Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen.
Leseprobe
Einleitung
Die Beziehungen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Natur sind das gemeinsame Thema der hier versammelten Aufsätze. Gefragt wird, was diese Beziehungen auszeichnet, wie sie sich verändert haben und wie sie sich vermutlich weiter verändern werden. Menschliche Aktivitäten beeinflussen biologische, atmosphärische, hydrologische und geologische Prozesse so stark, dass sie als eine treibende Kraft physischer Erdveränderungen angesehen werden können. Es wird inzwischen sogar von einer neuen geologischen Epoche gesprochen, dem Anthropozän. Natur ist nicht mehr ohne Gesellschaft denkbar. Zugleich sind die komplexen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur - die gesellschaftlichen Naturverhältnisse - krisenhaft geworden. Gesellschaft ist nicht mehr ohne Natur denkbar. Es geht also um krisenhafte Beziehungen und Verhältnisse. In den ausgewählten Texten werden miteinander verschlungene gesellschaftliche und natürliche Veränderungsprozesse empirisch beschrieben, theoretisch reflektiert und kritisch bewertet. Herausgefunden werden soll, wie sich deren Ausmaß und Richtung zielorientiert beeinflussen lassen. Im Zentrum der theoretischen und politischen Aufmerksamkeit des Autors steht die Wissenschaft: Wie kann sie ihre Erkenntnisblockaden überwinden, um die Krise der gesellschaftlichen Naturverhältnisse angemessen zu begreifen? Wo diese Frage ernsthaft gestellt wird, da rücken die Grenzen zwischen Natur- und Sozialwissenschaften ins Blickfeld. Im Grenzgebiet wird ein neues wissenschaftliches Terrain sichtbar, dem inzwischen viele Namen gegeben wurden: Politische Ökologie, Humanökologie, integrative Umweltforschung, ... Aktiv an gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Veränderungsprozessen teilnehmend, skizziert der Autor verschiedene Wege in dieses Terrain und arbeitet daran mit, eine Soziale Ökologie als transdisziplinäre Wissenschaft zu begründen und praktisch werden zu lassen.
Fast alle ausgewählten Texte sind zwischen 1980 und 2012 entstanden. In diesen drei Jahrzehnten hat sich viel verändert. Die Texte entstammen nicht nur verschiedenen Phasen der wissenschaftlichen und politischen Arbeit ihres Autors, in vielen Fällen beziehen sie sich auch auf Situationen und Umstände, die unwiderruflich vergangen sind. Wer von den Jüngeren erinnert sich noch an die theoretischen und politischen Kontroversen in der Frühphase der Ökologiebewegung oder an den Streit über eine ökologische Gegenwissenschaft? Die vorliegenden Aufsätze sind in einem doppelten Sinne zeitgebunden: In ihnen reflektieren sich sowohl Entwicklungen im Denken des Autors als auch deren Entstehungskontexte. Sie beleuchten den wissenschaftlichen Diskussionsstand und das politisch-intellektuelle Klima zu ihrer Entstehungszeit. Vergegenwärtigt man sich den jeweiligen Entstehungskontext, historisiert also die Texte radikal, dann tritt deren Zeitbindung deutlich hervor, und sie können als Dokumente subjektiver und objektiver intellektueller Entwicklungen gelesen werden. Doch damit wären sie unterbestimmt, denn die Texte sind zwar zeitgebunden, aber keineswegs veraltet. Ihre Aktualität zeigt sich, wenn man von den Situationen und Umständen ihrer Entstehung absieht und die darin formulierten Probleme, Ideen, Gedanken, Thesen und Argumente kontextunabhängig liest, überprüft und produktiv weiterzudenken versucht. Dann tritt Unabgegoltenes und immer noch Gültiges hervor.
Auf das neue Terrain blickt der Autor nicht aus einem Flug über den Wolken. Viele seiner Texte spiegeln Interventionen, es sind Stellungnahmen und Positionsbestimmungen in jeweils aktuellen Kontroversen, Eingriffe in unabgeschlossene gesellschaftliche und wissenschaftliche Prozesse. Dazu sind Spürsinn und Neugier für Veränderungen, Umbrüche und Neu-Konstellierungen nötig, und es müssen kritisches Unterscheidungsvermögen und ein Gespür für zukünftige Möglichkeiten inmitten unklarer Situationen ausgebildet werden, ohne zeitgeistigen Strömungen und intellektuellen Moden zu akklamieren.
Ist so etwas überhaupt möglich, ohne sich in der unabsehbaren Mannigfaltigkeit der Phänomene und Stellungnahmen zu verirren und die Orientierung zu verlieren? Wie Umbrüche, Phasenübergänge und neue Ordnungsmuster in der unbelebten Natur begrifflich zu fassen, theoretisch zu erklären und methodisch zu erschließen sind, das war bereits in den physikalischen Veröffentlichungen des Autors in den 1960er Jahren ein zentrales Thema - und es bildet bis heute das Gravitationszentrum auch seiner sozialwissenschaftlichen und sozial-ökologischen Publikationen: Immer wieder werden diskontinuierliche Prozesse und emergente Ordnungsmuster in den Blick genommen. Für physikalische und chemische Prozesse gibt es dafür inzwischen weitgehend anerkannte Theorien und Modelle - von der Thermodynamik irreversibler Prozesse bis zur neueren Komplexitätstheorie. Doch es ist hochgradig umstritten, mit welchen philosophischen Vorstellungen, theoretischen Begriffen und normativen Orientierungen in der organischen Natur und in der menschlichen Gesellschaft krisenhafte Veränderungs- und Stagnationsprozesse verstanden werden können und welche Handlungsoptionen daraus folgen. Und noch weniger ist klar, wie die komplexen Beziehungen zwischen Mensch, Gesellschaft und Natur theoretisch zu fassen sind. Wer als Wissenschaftler und politischer Intellektueller in derartige Kontroversen einzugreifen versucht, der trägt fast zwangsläufig gesellschaftliche Auseinandersetzungen in das Terrain der Wissenschaften hinein, was dort heftige Abwehrreaktionen auslösen kann. In den Sozialwissenschaften steht für eine derartige Abwehr das Postulat der Wertfreiheit und der wissenschaftlichen Objektivität, in den Naturwissenschaften die institutionelle und habituelle Ausgrenzung jeglicher Form politisierter Wissenschaft. Spätestens seit dem großen Methodenstreit über erklärende und verstehende Wissenschaften Anfang des 20. Jahrhunderts war man sich über die Grenzen der wissenschaftlichen Großkulturen hinweg darüber einig, dass Natur und Gesellschaft kategorial strikt zu trennen seien, und dass zwischen Naturwissenschaft und Technik ei…
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