Soziale Bewegungen in Guatemala

Soziale Bewegungen in Guatemala

Einband:
Paperback
EAN:
9783593506265
Genre:
Politische Soziologie
Autor:
Eva Kalny
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
31.01.2017

Soziale Bewegungen sind Teil gesellschaftlicher Gesamtstrukturen, sie sind von diesen geprägt und sie versuchen, diese Strukturen zu beeinflussen. Am Fallbeispiel Guatemalas zeigt dieses Buch anhand von Frauenbewegungen, indigenen Bewegungen und Kämpfen um Ressourcen auf, wie die Verfasstheit des Staates Rahmenbedingungen für soziale Bewegungen setzt und wie dies in ausgewählten Theorien sozialer Bewegungen reflektiert wird beziehungsweise in diese Eingang finden kann.

»Eine detailreiche Analyse von Struktur und Einfluss der Basisorganisationen, die einen wesentlichen Anteil an der Demokratisierung der Gesellschaft für sich beanspruchen können.« Ralf Leonhard, Lateinamerika anders, 20.11.2017 »Das Buch ist allen empfohlen, die Interesse an der gesellschaftlichen Entwicklung in Guatemala haben oder nach Erklärungen für aktuelle Konflikte und Proteste suchen. Für das wissenschaftliche Publikum bietet das Buch wichtige Ansätze zum Verständnis sozialer Bewegungen über Guatemala hinaus und konzeptionelle Vorschläge für die Analyse auch in anderen Ländern Lateinamerikas.« Christiane Schulz, ila - Das Lateinamerika-Magazin, 11.09.2018 »Eine Besonderheit und Stärke liegt [] in der sehr ausführlichen, fundierten und sowohl für wissenschaftliches als auch nicht-wissenschaftliches Publikum lesbaren Beschreibung und Analyse sozialer Bewegungen in Guatemala. Sie schließt eine Lücke im derzeitigen Stand der deutschsprachigen Lateinamerikaforschung und ist gerade vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftspolitischen Konflikte um Korruption und Straflosigkeit hochaktuell. Die Studie ist auch für Leser_innen interessant, die sich für die Bedingungen von Staatlichkeit und ihrem Verhältnis zu Selbstorganisierung interessieren oder schlichtweg Guatemalas Geschichte besser verstehen wollen.«, kritisch-lesen.de, 12.07.2018 »Die Arbeit ist höchst informativ und stellt einen wertvollen Beitrag in der historischen Aufarbeitung sozialer Bewegungen in Lateinamerika dar. Die Zusammenführung von Theoriedebatten mit formalen und informalen staatlichen Entwicklungen macht sie insbesondere interessant für Lateinamerika-Wissenschaftler sowie für Politik- und Sozialwissenschaftler. Für alle Guatemala-Interessierten, die sich mit dem Hintergrund der aktuellen sozio-politischen Proteste und mit ihren Akteuren in Guatemala beschäftigen, ist sie ein Muss.« Antje Gunsenheimer, Anthropos, 10.06.2019

Autorentext
Eva Kalny ist Sozialwissenschaftlerin; sie forscht und unterrichtet an Universitäten in Deutschland und Österreich.

Leseprobe
Vorwort
Das vorliegende Buch Soziale Bewegungen in Guatemala - eine kritische Theorie-diskussion beruht auf meiner Habilitationsschrift, welche ich am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover im Mai 2014 vorlegte - also ein Jahr vor Beginn der Enthüllungen der Internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit CICIG, welche seit April 2015 beinahe wöchentlich mit neuen Informationen über penibel recherchierten Korruptionsfällen an die Öf-fentlichkeit tritt und so die Verbindungen zwischen dem organisierten Ver-brechen und der Regierung aufzeigt. Ausgelöst durch diese Aufdeckungen entwickelte sich in Guatemala eine Protestbewegung, die den Rücktritt des ehemaligen Präsidenten Otto Pérez Molina erzwang, Gesetzesreformen für das Parteien- und Wahlsystem erarbeitete und lobbyierte, und die bis heute anhält. Diese Ereignisse bilden den Endpunkt meines Werks, ihr Einfluss auf die Struktur des Staates und weitere soziale Bewegungen wird erst zu einem späteren Zeitpunkt analysierbar sein.
Dieses Buch beruht auf umfangreichen Literaturrecherchen, eigene Er-hebungen finden in den entsprechenden Unterkapiteln Eingang. Ohne meine eigenen Forschungen und Erfahrungen im Land wäre diese Form des Überblicks und der Analyse nicht möglich gewesen. Dies betrifft unter anderem den Zugang zu organisationsinternen Dokumenten, den umfang-reichen und langjährigen Austausch mit Aktivist_innen unterschiedlicher Organisationen und die Bereitschaft vieler Menschen zu Gesprächen und Befragungen. Die Liste jener, denen mein Dank gebührt, ist dementspre-chend lange.
An ihrem Beginn stehen zahlreiche guatemaltekische Aktivist_innen, die ich noch zu Kriegszeiten 1991 und 1992 im mexikanischen Exil kennen lernen konnte und in deren Archiven ich damals arbeiten durfte. Diese Er-fahrung bot mir einen ersten Einblick in die Kooperationen und Konflikte zwischen den zivilen, unterschiedlichen Guerillabewegungen nahestehen-den Organisationen. Mit Domingo Hernández Ixcoy, der wie viele andere längst nach Guatemala zurückgekehrt ist, besteht der Austausch bis heute. Dynamiken des indigenen Aktivismus auf lokaler Ebene konnte ich in der Folge in Momostenango kennen lernen, wo die Familie von Doña Pancha Ixcoy de Acabal wichtiger Bezugspunkt für mich war. Bei zahlreichen An-lässen hatte ich die Möglichkeit, mit ihrer Familie, ihrem Schwiegersohn Pedro Ajxup Poroj und weiteren Mitstreiter_innen des Projekts Kajib' No'j über bilinguale indigene Schulen und indigene Bewegungen im allgemeinen zu diskutiert. Dabei konnte ich beobachten, wie sich die Anliegen und Schwerpunkte der Organisator_innen des lokalen Schulprojekts in Momos-tenango im Laufe der Jahrzehnte änderten. Das Dorf Canquixajá, in dem ich damals forschte, sollte in den 2000er Jahren meine Erfahrungen mit dem Widerstand indigener Gemeinden gegen ein Minenprojekt bereichern. In den frühen 1990er Jahren konnte ich auch das Erstarken indigener Organisation im nahegelegenen Quetzaltenango beobachten und in diesem Kontext Ricardo Cajas kennen lernen.
Juana Vasquez und Federico Silvestre lerne ich auf ihrer Österreichreise im Jahr 1994 kennen. Beide teilten die für indigene Aktivist_innen charak-teristischen Erfahrungen: den Einfluss durch die Theologie der Befreiung, die Nähe zur Guerillabewegung, das Überleben als intern Vertriebene, die Annäherung an Maya-Religion und schließlich ihre Rolle als Maya-Priester-_in und Anführer_in indigener Organisationen. Die Familie von Juana Vásquez im Dorf Río Blanco sowie all meine Gesprächspartner_innen in unterschiedlichen Teilen des Munizips Sacapulas bereicherten mein Wissen über die oft große Distanz zwischen indigenen Aktivist_innen in den Städ-ten und dörflichen Realitäten. Auch in dieser Region konnte ich in den 2000er Jahren die Bedrohung durch ein Minenprojekt sowie den Wider-stand dagegen beobachten.
Meine Erhebungen in den Jahren 2006 und 2007 im Rahmen des vom österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kul-tur geförderten Forschungsprojekts Soziale Bewegungen, Menschenrechte und Globalisierung befassten sich mit Bewegungen im mestizisch geprägten Tief-land, die sich gegen neoliberale Wirtschaftsabkommen und Großprojekte - in diesem Fall Staudämme - richtete. Die Zeit und die Region waren ge-prägt vom mächtigen kriminellen Netzwerk der Mendzodas, das den Hö-hepunkt seiner Macht erreicht hatte, und um das sich zahlreiche Gerüchte ob seiner Gewalttätigkeit und seines Spitzelwesens rankten. Diese schwieri-gen Lebens- und Forschungsbedingungen boten zahlreiche Einblicke in Dynamiken sozialer Bewegungen in einem Kontext, in dem der Staat nicht bereit und Willens war, sein Gewaltmonopol wahrzunehmen. Während meiner Forschung lebte ich im Dorf Salvador Fajardo des Munizips La Li-bertad, auch bekannt als Santa Rita. Die Ansiedlung war in den späten 1990er Jahren von ehemals intern Vertriebenen gegründet worden, die vor den Massakern des Militärs in den Regenwald geflüchtet waren und dort an die 15 Jahre überlebten. Aufbauend auf ihre Erfahrung an Selbstorganisa-tion und kollektiver Wirtschaft unterstützen zahlreiche Mitglieder der klei-nen Gemeinde unterschiedliche Organisationen, die am Widerstand gegen Megaprojekte beteiligt waren. Das Dorf verfügte über ein Gästehaus, das Besucher_innen wie mir zur Verfügung gestellt wurde. Zahlreiche Organi-sationen der Region standen für Gespräc…


billigbuch.ch sucht jetzt für Sie die besten Angebote ...

Loading...

Die aktuellen Verkaufspreise von 6 Onlineshops werden in Realtime abgefragt.

Sie können das gewünschte Produkt anschliessend direkt beim Anbieter Ihrer Wahl bestellen.


Feedback