Unbeugsam hinter Gittern

Unbeugsam hinter Gittern

Einband:
Kartonierter Einband
EAN:
9783593506814
Genre:
Zeitgeschichte (1946 bis 1989)
Autor:
Jan-Hendrik Schulz
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
17.07.2019

Nach dem Deutschen Herbst (1977) sahen die Gefangenen der Roten Armee Fraktion in Hungerstreiks ihre vermeintlich letzte Waffe zur Verbesserung ihrer Situation in den bundesdeutschen Haftanstalten. Jan-Hendrik Schulz legt kenntnisreich dar, wie diese Kampagnen der Inhaftierten von einem internationalen Unterstützerumfeld begleitet wurden, zu dem auch die relativ erfolglosen Hungerstreiks der Action Directe in Frankreich gehörten. Basierend auf einem umfangreichen Quellenkorpus, bietet dieses Buch - eine Pionierarbeit der historischen Terrorismusforschung, die als erste geschichtswissenschaftliche Studie die späte Wirkungsgeschichte der RAF in den 1980er-Jahren untersucht - eine neue Sicht auf das Beziehungsgeflecht zwischen RAF-Gefangenen und ihrem "radikalen Milieu".

»Jan-Hendrik Schulz hat eine lesenswerte, differenzierte und schlüssige Studie geliefert, die eine wichtige Ergänzung zur Forschung über die RAF insbesondere für die Zeit nach dem Deutschen Herbst sowie zur Geschichte der Gefangenenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich darstellt.« Caroline Peters, H-Soz-Kult, 31.01.2020 »Die gut lesbare Studie zeichnet sich durch ihren innovativen Zugriff sowie die breite Erfassung grauer Literatur der 1980er Jahre aus.« Thomas Gerhards, Das Historisch-Politische Buch, 10.04.2020 »Schulz hat eine Pionierarbeit vorgelegt. [] Sie ermöglicht den Nachvollzug der internen Debatten unter den Gefangenen und in und mit ihrem Umfeld, und sie zeigt die unterschiedlichen Reaktionen auf die Veränderungen der politischen Verhältnisse und einzelne politische Initiativen.« Bernd Hüttner, Rosa-Luxemburg-Sitftung, 25.02.2021

Autorentext
Jan-Hendrik Schulz, Dr. phil., ist Historiker und wurde am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz promoviert.

Leseprobe
Vorwort Das vorliegende Buch ist die überarbeitete Version meiner 2015 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz eingereichten und im April 2016 verteidigten Dissertation. Es ist Resultat der Unterstützung einer ganzen Reihe von Personen und Institutionen. Zuerst möchte ich meinem Doktorvater Heinz-Gerhard Haupt meinen herzlichen Dank aussprechen. Ich habe ihn vor mittlerweile mehr als zehn Jahren an der Universität Bielefeld als überaus engagierten und analytisch denkenden Professor kennengelernt, dessen thematische Vielseitigkeit und Expertise in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert mich seit jeher fasziniert haben. Seine Fähigkeit, komplexe und scheinbar unübersichtliche Zusammenhänge in kürzester Zeit analytisch und zugleich empirisch veranschaulichend auf den Punkt zu bringen, habe ich insbesondere in Florenz miterleben dürfen. Hier habe ich ihn als sehr anteilnehmenden, motivierenden und radikal ehrlichen »Supervisor« empfunden, dem das Gelingen der Arbeit seiner DoktorandInnen eine Herzensangelegenheit ist. Unsere seit 2013 regelmäßig stattgefundenen Treffen in Berlin haben maßgeblich zur Entstehung dieses Buches beigetragen und werden mir nicht nur als Lehr- und Lernstunden, sondern vor allem auch als menschliche Begegnungen in schöner Erinnerung bleiben. Ein weiterer Herzensdank gilt Gisela Diewald-Kerkmann, die mir als Betreuerin meiner Bachelor- und Masterarbeit an der Universität Bielefeld stets unterstützend zur Seite stand. Sie hat meine KommilitonInnen und mich bereits vor gut zehn Jahren mit spannenden Lehrveranstaltungen zum Thema RAF und des Terrorismus in der Bundesrepublik und anderen Ländern begeistern können. Von unermesslichem Wert ist darüber hinaus unsere jahrelange enge Zusammenarbeit, in dessen Rahmen ich als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft die Spätphase der Entstehung ihrer Habilitationsschrift begleiten durfte. Diese Erfahrungen ermöglichten mir eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte der RAF, die mir ansonsten verwehrt geblieben wäre. Ich kann deshalb mit gutem Grund sagen, dass diese Arbeit ohne Gisela Diewald-Kerkmann nicht entstanden wäre. Mein weiterer Dank gilt meinem Zweitgutachter Pavel Kolá und den zahlreichen europäischen KollegInnen, die meine Arbeit durch ihre kritischen Anmerkungen sowie ihre (Gast-)Freundschaft bereichern konnten, insbesondere Matteo Albanese, Fanny Bugnon, Robrecht Declercq, Antoine Duval und Familie, Beatrice de Graaf, Jean-Octave Guérin-Jollet und Familie, Jochen Hung, Jan-Holger Kirsch, Daniel Floris Knëgt, Kristina Kütt, Anne Kwaschik, Marc Lazare, Christophe Lazaro, Dominique Linhardt, Stefan Malthaner, Alfredo Mazzamauro, Gabriele Metzler, Kiran Klaus Patel, Donatella della Porta, Sven Reichardt, Antonella Romano, Frederico Romero, Annette Schuhmann, Hanno Seier, Detlef Siegfried, Isabelle Sommier, Uwe Sonnenberg, Andreas Spreier, Bart van der Steen, Anne Steiner, Trond Ove Tøllefsen, Phillip Wagner, Peter Waldmann und Klaus Weinhauer. Auf der institutionellen Seite gilt mein Dank dem Europäischen Hochschulinstitut für die wunderschöne und, in persönlicher wie in wissenschaftlicher Hinsicht, prägende Zeit in Florenz sowie die finanzielle Unterstützung der Buchpublikation. Besonders hervorzuheben ist die außerordentliche Arbeit und Fürsorge der Institutsangestellten, vor allem von Anna Coda Nunziante und Francesca Parenti. Ermöglicht wurde der Aufenthalt in Italien erst durch das mehrjährige Stipendium des DAAD. Zudem möchte ich der RLS für den freundlichen Druckkostenzuschuss danken. Dieses Buch ist meinen Eltern gewidmet, die meine »Odyssee« bis zum Schluss begleiteten und mir gerade in schwierigen Zeiten Rückhalt gaben. Meine Frau Elisabeth hat mit ihrer Geduld, Liebe und ihrem Vertrauen ein Übriges getan, damit dieses »Projekt« ein Ende finden konnte. Einleitung Die Früh- und Hauptphase des Linksterrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik von ihrer Entstehung im Kontext der Studentenbewegung um die Chiffre 1968, über ihre anschließende gewaltsame Radikalisierung und der parallelen, von Hungerstreiks und Strafprozessen geprägten Phase der Gefangenschaft bis hin zur Eskalation der Gewalt während des Jahres 1977 ist in den letzten zehn Jahren ausgiebig diskutiert worden. Die politischen und wissenschaftlichen Diskussionen konzentrierten sich maßgeblich auf die zugespitzte Konfrontation zwischen westdeutschem Staat und RAF. Höhepunkt dieses Konflikts war bekanntermaßen der Deutsche Herbst, welcher in der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF, der Stürmung der »Landshut«-Maschine in Mogadischu durch ein GSG 9-Kommando und in der von Mythen umrankten Stammheimer Todesnacht am 17./18. Oktober gipfelte. Die Ereignisse fanden in unterschiedlicher Ausprägung Eingang in die kollektiven Gedächtnisse verschiedener westeuropäischer Gesellschaften. Neben der Bundesrepublik sind hier vor allem die Nachbarländer Frankreich und die Niederlande, aber auch Italien und Griechenland zu nennen. Die Studie widmet sich der unbekannteren und medial weniger beachteten Spätphase des Phänomens RAF in der Zeit vom Deutschen Herbst 1977 bis zum Fall der Berliner Mauer und des damit einhergehenden Zusammenbruchs des sozialistischen Staatensystems seit November 1989. Wer sich mit der RAF beschäftigt, wird unweigerlich auf die Tatsache stoßen, dass die Phase der Gruppe vom Deutschen Herbst 1977 bis zu ihrer offiziellen Auflösung im April 1998 einen ungefähr dreimal längeren Zeitabschnitt abdeckt als die etwa siebenjährige »Hauptphase« in den 1970er Jahren. Anschaulich wird dieses Desiderat etwa in Stefan Austs knapp 900-seitigen Bestseller Der Baader-Meinhof-Komplex, welcher im Buchhandel gewöhnlich als »Standardwerk« zur Geschichte der RAF geführt wird: Das »Nachspiel« der RAF im Anschluss an den Deutschen Herbst wird dort lediglich auf sechs Seiten als eine Art Schlussanekdote abgehandelt. Ein Ausgangsinteresse war, neue Erklärungsansätze für die vergleichsweise lange Kontinuität des Phänomens RAF in der westdeutschen Gesellschaft zu finden. Für eine Kultur- und Neue Politikgeschichte , die die Geschichte d…


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