Einband:
Kartonierter Einband
Genre:
Politik & Wirtschaft
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
09.03.2017
Sind Unternehmen moralisch verantwortungsfähig? Und falls ja: Welche Verantwortlichkeiten können tatsächlich gerechtfertigt werden? Diese Studie liefert nicht nur eine analytische Begründung, sondern klärt die Fragen anhand konkreter Fallbeispiele. Letztlich kann ein Verantwortungsrahmen für Unternehmen festgesetzt werden, der entscheidende Konsequenzen für die Verantwortlichkeitsbereiche von Gesellschaft, Politik und Staat nach sich zieht.
»Schaper gibt pragmatische Lösungsansätze an die Hand, wie mit stetig ansteigenden Zuschreibungen moralischer Verantwortlichkeiten durch zivilgesellschaftliche und politische Akteure umzugehen ist. Sie entwickelt einen konkreten Verantwortungsrahmen für Unternehmen mit den entsprechenden Konsequenzen für die Verantwortlichkeitsbereiche von Gesellschaft, Politik und Staat und stellt dabei immer die Frage: Sind die zugeschriebenen Verantwortlichkeiten gerechtfertigt?«, CSR-Magazin, 08.06.2017
Autorentext
Miriam Schaper, Dr. phil., ist Philosophin und arbeitet für die Hamburger Stiftung für Wirtschaftsethik.
Klappentext
Sind Unternehmen moralisch verantwortungsfähig? Und falls ja: Welche Verantwortlichkeiten können tatsächlich gerechtfertigt werden? Diese Studie liefert nicht nur eine analytische Begründung, sondern klärt die Fragen anhand konkreter Fallbeispiele. Letztlich kann ein Verantwortungsrahmen für Unternehmen festgesetzt werden, der entscheidende Konsequenzen für die Verantwortlichkeitsbereiche von Gesellschaft, Politik und Staat nach sich zieht.
Leseprobe
Einleitung
Es lässt sich nicht bestreiten, dass ursprüngliche Kernaufgaben von Nationalstaaten heute auch in die Geschäftstätigkeiten von Unternehmen fallen und eine Verschiebung der Zuständigkeiten für traditionelle Aufgabenfelder der Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zu beobachten ist. Diese Entwicklung begleitet ein Wandel der Verantwortungsräume und insbesondere des Rollenverständnisses von Unternehmen, der sich auch in den stetig ansteigenden Zuschreibungen moralischer Verantwortlichkeiten durch zivilgesellschaftliche und politische Akteure zeigt. Diese fast schon selbstverständlich wirkende Adressierung wirft allerdings zwei wesentliche Fragestellungen auf, die angesichts der Fülle der moralischen Aufgabenzuschreibungen an Unternehmen stark in den Hintergrund rücken: Sind Unternehmen grundsätzlich verantwortungsfähig? Und wenn sie es sind: Können die geltend gemachten zugeschriebenen Verantwortlichkeiten tatsächlich gerechtfertigt werden?
In Hinblick auf die erste Frage ist durch den Status einer juristischen Person der Zusammenhang zwischen Unternehmen und Verantwortungsfähigkeit rechtlich eindeutig geklärt. Dass in gesellschaftlicher Hinsicht eine positive Entscheidung zugunsten einer moralischen Verantwortungsfähigkeit von Unternehmen getroffen worden ist, zeigt sich in vielen Kampagnenarbeiten von zivilgesellschaftlichen Organisationen. Die Forderung einer "transparente[n] Einkaufspolitik von Lidl. Schluss mit der Discounterpraxis" (Kampagne für Saubere Kleidung 2009) beispielsweise formuliert Verantwortlichkeiten von Unternehmen, die über die Einhaltung rechtlicher Vorgaben hinausgehen und deren Erfüllung von den Anspruchstellern erwartet wird. Auch in der wissenschaftlichen wirtschafts- und unternehmensethischen Literatur wird vermehrt vorausgesetzt, dass Unternehmen sich als moralisch verantwortungsfähig beschreiben lassen.
Diese einheitliche Auffassung wird durch starke Intuitionen gestützt, die eine Verfestigung durch unsere Sprache finden, indem ein Unternehmen sprachlich tatsächlich als Verantwortungsträger fungiert. So ist mit der Aussage "Coca-Cola spricht sich von der Verantwortung für Fettleibigkeit frei" (Zinkant 2015) das Unternehmen und nicht ein individueller Mitarbeiter gemeint. Ebenso "spricht" in der folgenden Stellungnahme, die sogar Ansichten erwähnt, ein Unternehmen und kein Manager:
"Interviews und Kommentare auf dieser Disc geben ausschließlich die Meinungen der betreffenden Einzelpersonen wieder. Sie sind nicht gleichzusetzen mit den Ansichten von Twentieth Century Fox Film Corporation, ihrer Mutter- oder Tochtergesellschaften oder Niederlassungen." (Die 12 Geschworenen 2013)
Darüber hinaus soll sich die (wenngleich nur diffus wahrnehmbare) Einflussnahme eines Unternehmens auf unterschiedlichste gesellschaftliche oder politische Bereiche im Gleichgewicht mit einforderbaren moralischen Verantwortlichkeiten befinden. Insbesondere im Zusammenhang mit negativen Ereignissen besteht zudem das Bedürfnis, ein Unternehmen als Adressaten zu deuten, an den Erwartungen oder auch (Kompensations-)Forderungen gerichtet werden können. Dies wird durch das Vorhandensein der Kontinuität gestützt, aufgrund derer ein Unternehmen fortbesteht, ungeachtet der über lange Zeit hinweg gravierenden Veränderungen in seiner Mitgliederzusammensetzung (vgl. Schmid/Schweikard 2009: 53). Damit gibt es eine Reihe an motivationalen Gründen und Indizien dafür, Unternehmen Verantwortungsfähigkeit zuzuschreiben.
Doch aus philosophischer Sicht bleibt es schwierig, Unternehmen als Träger von Verantwortung auszuweisen, da sie nicht über mentale Eigenschaften verfügen. Sie können streng genommen keine eigenen Intentionen ausbilden, aus denen Handlungen resultieren, auf die sich Fragen der Verantwortung letztlich beziehen. Damit wird eine philosophisch umstrittene Problemstellung berührt: Gibt es Intentionen, die nicht nur unter ausschließlicher Bezugnahme auf einzelne Individuen beschrieben oder erfasst werden können?
Positionen, die diese Möglichkeit vollständig ausschließen, negieren folglich auch eine Verantwortungsfähigkeit von Unternehmen. Diese "handeln oder entscheiden nicht, sie haben keine Gefühle und kein Gewissen. [Sie] haben keine Gründe, etwas zu glauben oder etwas zu tun, sie haben keine mentalen Eigenschaften und sind daher keine verantwortlichen Akteure." (Nida-Rümelin 2011: 136) In der Konsequenz können Unternehmen nicht als Kandidaten für Verantwortungsträgerschaft in Frage kommen und wenn die Rede von Verantwortlichkeiten von Unternehmen ist, muss damit die individuelle Verantwortlichkeit der Mitarbeiter gemeint sein.
Diese Schlussfolgerung vermeiden hingegen Konzeptionen, die eine Zuschreibung von Intentionalität an Unternehmen und damit ihre Verantwortungsfähigkeit zu begründen versuchen. Die Argumentationen sollen beispielsweise zeigen, wie Unternehmen als moralische Personen (French 1984) oder moralisch Handelnde (Werhane 1985) anerkannt werden können und daher als moralisch verantwortlich zu klassifizieren sind (vgl. auch Süßbauer 1991: 33ff.).
Eine Untersuchung über moralische Unternehmensverantwortung sollte diesen Dissens ernst nehmen und danach fragen, ob den eingangs beschriebenen Intuitionen eine theoretisch fundierte Grundlage geliefert werden kann. So wird im ersten Teil dieses Buches zunächst geprüft, ob Unternehmen als moralisch verantwortungsfähig beschrieben werden können. Nach einem kurzen Überblick zu verschiedenen Ausdifferenzierungen und einer begrifflichen Klärung von Verantwortung (Abschnitt 1.1) liegt der Fokus weiter auf den für die Untersuchung relevanteren Bedingungen für Verantwortungsfähigkeit (Abschnitt 1.2). Daran schließt sich die Entwicklung des zentralen Arguments an, dass es für moralische Verantwortungsfähigkeit hinreicht, über Intentionen zu verfügen. Die Begründungsgrundlage dafür bildet ein enges Verständnis von Intentionen, das für den Fortgang der Analyse ausreichend ist (Abschnitt 1.3).
Wenn Unternehmen Intentionen zugeschrieben werden können, lässt sich eine Rechtfertigung dafür liefern, sie auch als verantwortungsfähig zu beschreiben. Für diese Analyse werden verschiedene Theorien kollektiver Intentionalität diskutiert (Abschnitt 2.1). Die zugrunde liegende Idee dabei ist: Wenn Kollektiven Intentionen zugeschrieben werden k…
Leider konnten wir für diesen Artikel keine Preise ermitteln ...
billigbuch.ch sucht jetzt für Sie die besten Angebote ...
Die aktuellen Verkaufspreise von
6 Onlineshops werden
in Realtime abgefragt.
Sie können das gewünschte Produkt anschliessend direkt beim Anbieter Ihrer Wahl bestellen.
| # |
Onlineshop |
Preis CHF |
Versand CHF |
Total CHF |
|
|
| 1 |
Seller |
0.00 |
0.00
|
0.00 |
|
|
Onlineshops ohne Resultate: