Einband:
Kartonierter Einband
Genre:
Sozialstrukturforschung
Autor:
Reinhard Messerschmidt
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
07.09.2018
Die demografische Entwicklung Deutschlands wird gern in den düstersten Farben dargestellt, der Verlauf scheint schon fest vorbestimmt. Genauer betrachtet, erweist sich demografisches Zukunftswissen aber oft weder als wissenschaftlich objektiv noch als politisch neutral. Kategorien, Maße und Modelle bestimmen das Bild ebenso wie die Annahmen und Interpretation von Bevölkerungsprojektionen. Dieses Buch nimmt deren Grundlagen und die massenmediale Vermittlung in den Blick. So ergibt sich ein erheblich differenzierteres Bild, das auch den Einfluss der dramatisierenden Funktionslogik der Medien aufzeigt.
Autorentext
Reinhard Messerschmidt ist Sozialwissenschaftler und Referent für Digitalisierung beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen.
Leseprobe
Geleitwort von Stephan Lessenich Deutschland altert - wer wüsste das nicht? Dass der demographische Wandel eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen darstellt, dass dieser makrosoziale Strukturprozess unaufhaltsam ist und das Gesicht des Landes wesentlich verändern, ja im Sinne seiner unausweichlichen "Überalterung" geradezu entstellen wird: All dies ist hierzulande mittlerweile öffentlicher Konsens, gehört zu dem als gesichert erachteten alltäglichen Wissenshaushalt großer gesellschaftlicher Mehrheiten. Reinhard Messerschmidt widmet sich in seiner Dissertationsschrift der fortschreitenden "Demografisierung des Gesellschaftlichen" und untersucht den wissenschaftlichen wie medialen Demografiediskurs unter dem Gesichtspunkt der kritischen Frage, inwieweit dieser dazu neigt, Gespenster zu sehen. Untersucht wird ein umfangreicher Korpus deutscher Pressetexte aus dem Zeitraum 2000 bis 2013, um die Wahrheitsspiele aufzudecken, die an der Grenze zwischen und in der Interaktion von akademischem und journalistischem Feld betrieben werden. Dieses herausfordernde Vorhaben gelingt dem Verfasser in bemerkenswerter Art und Weise. Der vorliegende Band liest sich nicht nur als eine wahre Fundgrube herrschender demografiepolitischer Argumentationsfiguren und Wissensbestände. Reinhard Messerschmidt kann zudem überzeugend darlegen, dass die spezifische Gestalt des jüngeren deutschen Demografiediskurses nicht erst durch eine den Rationalitäten und Praktiken medialer Kommunikation geschuldete Komplexitätsreduktion und Deutungsverzerrung wissenschaftlichen Wissens zustande kommt. Vielmehr ist die Produktion demografischen Wissens selbst - schon bevor es durch den Filter massenmedialer Vereinfachungen und Übertreibungen gegangen ist - das Problem: Bereits in der Konstruktion basaler demografischer Kategorien und Konzepte sind die epistemologischen und wissenspolitischen Mächte der Quantifizierung und Parametrisierung, Essentialisierung und Naturalisierung am Werk. Es ist also nicht erst die unsachgemäße Anwendung, die wissenschaftliches Wissen in dem hier interessierenden Feld "politisiert", sondern die Bevölkerungswissenschaft erweist sich schon in ihrem formalen Kern als eine durch und durch politische Wissenschaft. Diesen Sachverhalt in ebenso fundierter wie anschaulicher Weise plausibel zu machen, ist eines der großen Verdienste dieser Studie: Wohl noch nie sind die teils unausgewiesenen, teils uneingestandenden Konstruktionsleistungen der demografischen Disziplin, von der "Bevölkerung" bis zur "Total Fertility Rate", auf solch schonungslose Weise dekonstruiert worden. Mindestens genauso beeindruckend aber ist die durch ihren Detailreichtum bestechende Diskursanalyse, die trotz des geradezu überbordenden empirischen Materials in vorbildlich systematischer Weise angelegt und ungemein lesenswert ist. Damit liegt nunmehr eine kritische Analyse des medial vermittelten demografiepolitischen Wissenshaushalts der Bundesrepublik vor, die in Substanz wie Reflexivität ihresgleichen sucht. Für den Übergang zu einer "post-alarmistischen Demografie" leistet Reinhard Messerschmidt einen unverzichtbaren Beitrag - denn dass das demografische Denken einer Transformation bedarf, steht aus soziologischer Perspektive außer Frage. Vorwort Gesellschaft ist mehr als nur Bevölkerung - davon ausgehend wird in diesem Buch die Produktion und öffentliche Vermittlung demografischen "Zukunftswissens" kritisch beleuchtet. Im Kern geht es um die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit, Demografie, Bevölkerung und Gesellschaft anders zu denken. Dies bezieht sich auch auf das interdisziplinäre Selbstverständnis der Demografie. Momentan ist dieses in Schieflage zu vermeintlich naturwissenschaftlicher Vorhersagbarkeit und stark ökonomisch geprägt. Auch im häufigen Alarmismus der Massenmedien zeigt sich ein einseitiger Blick auf die Gesellschaft. Als Reflexion von Kategorien, Maßen und Modellen der Demografie und ihrer massenmedialen Darstellung soll diese Arbeit eine sachlichere Diskussion des demografischen Wandels befördern. Dazu wurde eine zweistufige Analyse durchgeführt: nach den Grundlagen des demografischen "Zukunftswissens" wurden 3810 Texte aus der deutschen Presse von 2000 bis 2013 im Hinblick auf Regelmäßigkeiten und Brüche darin enthaltener Aussagen untersucht. Bei diesem Text handelt es sich um eine leicht überarbeitete Fassung meiner 2016 an der philosophischen Fakultät der Universität zu Köln angenommen und 2017 verteidigten Dissertation im Fach Philosophie. Zuallererst danke ich meiner Familie für das Verständnis und die Unterstützung über die Jahre hinweg und dann chronologisch - in Form überlanger Schachtelsätze - zunächst an der Universität Rostock Prof. Dr. Matthias Junge dafür, dass er mein Interesse für Soziologie und eine wissenschaftliche Laufbahn geweckt hat sowie Prof. Dr. Heiner Hastedt für alle philosophische Inspiration und Unterstützung insbesondere bei der Entwicklung des Dissertationsprojekts, weiterhin am Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung besonders Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld, Dr. Andreas Edel und Silvia Leek für die Motivation zur Promotion und wertvolle erste demografische Einblicke, der European Doctoral School of Demography für deren Erweiterung als Stipendiat am INED Paris und dort insbesondere Prof. Dr. Francois Héran und Dr. Aline Désesquelles sowie dem gesamten Jahrgang, der definitiv einzigartigen a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, ganz besonders ihrem Gründer sowie Erstbetreuer des Projekts Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer, aber auch allen anderen die ich dort kennenlernen durfte für die schöne, inspirierende und äußerst lehrreiche Zeit und den großartigen interdisziplinären Austausch im Rahmen des Promotionsstipendiums, Prof. Dr. Jakob Vogel sowie Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt für die leider letztendlich nicht mehr mit der Promotionsordnung kompatible Betreuungsbereitschaft und Beratungsgespräche, bei GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften insbesondere meiner Drittbetreuerin Prof. Dr. Brigitte Mathiak, Dr. Udo Riege sowie Prof. Dr. Christof Wolf für alle Unterstützung, aber auch allen weiteren GESISianer*innen für das angenehme Arbeitsklima. Ebenso angenehm war das Arbeitsklima am Cologne Center for eHumanities, vielen Dank dafür und die wertvollen und motivierenden Diskussionen vor allem an Prof. Dr. Patrick Sahle und Dr. Claes Neuefeind. Ohne den Pakt mit Claes und unseren parallelen Endspurt wäre diese Arbeit wohl nie fertig geworden Aber mit Sicherheit auch nicht ohne Prof. Dr. Stephan Lessenich von der LMU München - ihm danke ich neben der epistemischen Motivation durch seine Schriften für alle Unterstützung und Beratung weit über die Zweitbetreuung der Dissertation hinaus. Von Anbeginn des Projekts waren auch die spannenden Netzwerktreffen und hilfreichen persönlichen Diskussionen im DiskursNetz essentiell, um sich im Feld interdisziplinärer Diskursforschung orientieren und eine eigene Perspektive gewinnen zu können. Hier alle Namen zu nennen, würde wohl den Rahmen sprengen, deshalb geht der Dank stellvertretend besonders an Prof. Dr. Johannes Angermüller, auch für die persö…
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