Geschlecht, Familie, Sexualität

Geschlecht, Familie, Sexualität

Einband:
Kartonierter Einband
EAN:
9783593510651
Genre:
Feminismus & Geschlechterforschung
Autor:
Barbara Umrath
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
13.03.2019

Obwohl die Frankfurter Schule als eine der einflussreichsten Theorieströmungen des 20. Jahrhunderts gilt, greift die Geschlechterforschung eher selten auf sie zurück. Dieses Buch bietet nun die erste profunde Rekonstruktion der Entwicklung der Frankfurter Schule aus feministischer Perspektive. Anhand der Schriften von Horkheimer, Adorno, Marcuse, Fromm und anderen wird gezeigt, wie Geschlechterverhältnisse, Familie und Sexualität in der Kritischen Theorie reflektiert wurden. Dabei deckt die Studie nicht nur Schwächen auf, die durch die Geschlechterforschung bearbeitet wurden. Sie skizziert auch, wie sich Desiderate feministischer Theorie mithilfe der Kritischen Theorie gesellschaftstheoretisch fassen lassen.

Der Band bietet die erste profunde Rekonstruktion der Entwicklung der Frankfurter Schule aus feministischer Perspektive und eröffnet damit neue Anschlussmöglichkeiten für die Gesellschafts- wie Geschlechtertheorie. Basierend auf Schriften von Horkheimer, Adorno, Marcuse, Fromm u.a. wird gezeigt, wie Geschlechterverhältnisse, Familie und Sexualität in der Kritischen Theorie reflektiert wurden. Dabei deckt die Studie nicht nur Schwächen auf, die durch feministische Theorie und Geschlechterforschung bearbeitet wurden. Sie skizziert auch, wie sich Desiderate feministischer Theorie mithilfe der Kritischen Theorie gesellschaftstheoretisch fassen lassen.

»Eine ebenso interessante wie lesenswerte Arbeit, die nicht nur eine beeindruckende Menge Material aufbereitet und es im Hinblick auf ein Erkenntnisinteresse systematisiert, das in der Sekundärliteratur bis dato vernachlässigt wurde. Die Autorin zeigt auch, warum eine kritische Geschlechterforschung auch heute noch sowohl an der feministischen Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt als auch am umfassenden Emanzipationsverständnis der kritischen Theorie festhalten sollte.« Mario Wolf, Soziopolis, 26.06.2019 »Durch Umraths differenzierte Auseinandersetzung wird nicht nur deutlich, inwiefern die Kritische Theorie ein Fundament für eine kritische Gesellschaftstheorie des Geschlechts legte, sondern auch, wo dieses Fundament wackelig geblieben ist und seinerseits von einer kritischen Geschlechterforschung nachgebessert werden muss. Der sorgsamen Archivarbeit Umraths verdanken wir Einblick in Dokumente der Kritischen Theorie, die in der Rezeption bis dato keine Rolle spielten und der Leserschaft unbekannt waren. Damit wird ein neuer und erfrischender Blick auf eine Denktradition geworfen, die in der Geschlechterforschung eine eher untergeordnete Rolle spielt.« Fabian Hennig, GENDER, 01.03.2020 »Dank aufwendiger Recherchen und umfangreicher Analysen ist Umraths Darstellung gelungen. Sie bildet ein Fundament für die Aktualisierung der Kritischen Theorie in wissenschaftlichen wie politischen Auseinandersetzungen.« Christoph Panzer, iz3w, 14.10.2019 »Umraths Studie ist lesenswert für Wissenschaftler*innen, die auf Geschlechterverhältnisse im Zusammenhang mit ökonomischen Fragen fokussieren, sowie für Rezipient*innen der KT, die an ihrer systematischen Relektüre in Bezug auf Geschlechterfragen interessiert sind: auch, weil sie deren zentrale Vertreter aus der Warte zeitgenössischer Geschlechterforschung bespricht und darüber hinaus weitgehend unbekannten Institutsmitgliedern Platz einräumt. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die systematische Rekonstruktions- und Archivarbeit Umraths, mit der sie dominierende Rezeptionslinien der KT in der Sekundärliteratur zu widerlegen vermag. Darüber hinaus ist die gleichberechtigte Berücksichtigung von Möglichkeiten und Grenzen der KT aus der Perspektive neuerer Geschlechterforschung bemerkenswert.« Henning Gutfleisch und Bettina Kleiner, Jahrbuch erziehungswissenschaftliche Geschlechterforschung, 03.04.2020 »Insgesamt bestätigt Umrath die Fruchtbarkeit der Kritischen Theorie in ihren Grenzen und Defiziten ebenso wie in ihren gesellschafts- und subjekttheoretischen Potenzialen für feministische Diskurse. Dabei wird die Kritische Theorie im feministischen Diskurs eindeutig in Stellung gebracht etwa gegen die These vom Bedeutungsverlust der Kategorie Geschlecht, für eine historisch-materialistische Kritikperspektive auf die Verschränkung unterschiedlicher Dimensionen von Herrschaft und Emanzipation, für eine neue Verbindung von Kapitalismuskritik und Geschlechterforschung. Sie bietet damit eine gute Grundlage für die weitere Erforschung sowohl von Potenzialen der wechselseitigen Befruchtung als auch von Konflikten und Kontroversen in diesem Feld.« Ingrid Kurz-Scherf, Femina Politica, 1/2020

Autorentext
Barbara Umrath hat Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie studiert. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschlechter-Studien des TH Köln.

Leseprobe
1. Einleitung Die sogenannte Frankfurter Schule, auch bekannt als Kritische Theorie, kann als eine der einflussreichsten geistes- und sozialwissenschaftlichen Theorieströmungen des 20. Jahrhunderts gelten. In zeitgenössischer Geschlechterforschung wird auf diese allerdings eher selten zurückgegriffen. Jene auf den ersten Blick irritierende Diskrepanz wird verständlich, wenn man die bis dato vorliegende Sekundärliteratur genauer betrachtet. Insgesamt dominiert dort eine Darstellung, derzufolge sich die Kritische Theorie mit der Geschlechterthematik allenfalls am Rande auseinandergesetzt hat. Die dezidiert feministische Rezeption kritisierte die analytischen Werkzeuge der Frankfurter Schule als unzureichend für ein Verständnis von Geschlechterverhältnissen. Die vorliegende Studie entwickelt demgegenüber eine andere Möglichkeit der Rezeption. So wird in den Kapiteln 3 bis 5 eine Geschichte der Frankfurter Schule entfaltet, in der Auseinandersetzungen mit der Geschlechterthematik als integraler Bestandteil der Entwicklung Kritischer Theorie erkennbar werden. Gezeigt wird, dass die Kritischen Theoretiker(-innen) sich über all die Jahrzehnte ihres Schaffens mit Geschlechterverhältnissen befasst haben, wie diese kritische Auseinandersetzung genau aussah, an welche Theorien und Denker(-innen) dafür angeknüpft wurde und zu welchen Einsichten die Kritische Theorie gelangte. Gegenüber dem Gros der bisherigen feministischen Rezeption verfolgt die vorliegende Arbeit damit ein anderes Anliegen. Wie in Kapitel 2 noch genauer dargestellt wird, war die feministische Rezeption, die im Zuge der Entwicklung von Frauen- und Geschlechterforschung ab den frühen 1970er-Jahren einsetzte, über weite Strecken von einer kritischen Abarbeitung geprägt. Dabei ging es stets auch um das Verhältnis von feministischer und Kritischer Theorie: Wie eng kann feministische Theorie sich an die Kritische Theorie anlehnen? Wie viel Abgrenzung tut not? Prägnant zum Ausdruck kommt dieses Ringen im Titel eines Aufsatzes von Gudrun-Axeli Knapp aus dem Jahr 1996, der da lautet "Traditionen - Brüche: Kritische Theorie in der feministischen Rezeption". Insgesamt waren die feministischen Zugriffsweisen von einer Mischung aus kritischer Abarbeitung und dem Bestreben nach Weiterentwicklung und Aktualisierung geprägt. Die vorliegende Studie ist hingegen in erster Linie rekonstruktiv angelegt. In ihrem Vordergrund steht nicht die feministische Weiterentwicklung und Aktualisierung der älteren Kritischen Theorie. Vielmehr sollen deren Auseinandersetzungen mit der Geschlechterthematik vor dem Hintergrund heutiger Geschlechterforschung detailliert rekonstruiert werden. Dabei wird deutlich werden, dass letztere nicht nur in mancherlei Hinsicht über die ältere Kritische Theorie hinausgeht, sondern diese auch umgekehrt Impulse für eine stärker gesellschaftstheoretische Ausrichtung von Geschlechterforschung zu geben vermag. Dominierte in der bisherigen feministischen Rezeption ein kritisch-aktualisierender Zugriff, soll es in der vorliegenden Arbeit darum gehen, die Texte der Kritischen Theorie selbst stärker zum Sprechen zu bringen und ihnen Gehör zu schenken. Dies bedeutet …


billigbuch.ch sucht jetzt für Sie die besten Angebote ...

Loading...

Die aktuellen Verkaufspreise von 6 Onlineshops werden in Realtime abgefragt.

Sie können das gewünschte Produkt anschliessend direkt beim Anbieter Ihrer Wahl bestellen.


Feedback