Einband:
Kartonierter Einband
Genre:
Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
Autor:
Immanuel Wallerstein, Randall Collins, Michael Mann, Georgi Derluguian, Craig Calhoun
Herausgeber:
Campus Verlag GmbH
Erscheinungsdatum:
11.07.2019
Das ökonomische System des Kapitalismus wird kollabieren, weil negative Konjunkturzyklen und politische Krisen zusammentreffen und Wachstum an Grenzen stößt. Umweltkrisen werden den Kapitalismus massiv unter Druck setzen, ebenso wie globale Machtkämpfe und der Kampf um Ressourcen. Die Mittelklassen werden ihre Arbeit an IT-Services verlieren und nicht mehr so konsumieren können wie heute. Eine wichtige Frage wird sein, ob eine internationale politische Steuerung den Marktliberalismus wird beeinflussen können.
Fünf herausragende Sozialforscher diskutieren in diesem Buch die Optionen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung in den nächsten 30 Jahren. Historische Systemumbrüche und gegenwärtige Machtverhältnisse im Blick, entwerfen sie fünf Zukunftsszenarien für das 21. Jahrhundert und führen ihre Ergebnisse in einer Synthese zusammen.
"Verständlich und ohne ideologischen Jargon geschrieben - eines der besten Bücher der vergangenen Jahre zum Thema." Niels Boeing, Die Zeit, 01.12.2014
Vorwort
Das Ende des Kapitalismus
Autorentext
Michael Mann ist Professor für Soziologie an der University of Los Angeles (UCLA).
Leseprobe
Die nächste große Wende Gemeinsame Einleitung Die kommenden Jahrzehnte werden überraschende Schocks und gewaltige Herausforderungen bringen. Manche werden ein neues Gesicht haben, andere ein altbekanntes. Viele werden ungeahnte politische Probleme und schwierige Entscheidungen beinhalten. Diese Zukunft kann schon recht bald beginnen und wird für alle, die heute jung sind, ihr Leben bestimmen. Das muss, wie wir behaupten, nicht unbedingt schlecht sein. In den vor uns liegenden Jahrzehnten werden sich auch Möglichkeiten ergeben, es anders als frühere Generationen zu machen. Aufgrund unserer soziologischen Kenntnis der Weltgeschichte wollen wir in diesem Buch erkunden und diskutieren, wie diese Herausforderungen und Möglichkeiten aller Wahrscheinlichkeit nach aussehen werden. Was uns im Grunde beunruhigt, ist die Tatsache, dass es mit dem Ende des Kalten Krieges vor fast drei Jahrzehnten unzeitgemäß - oder sogar anstößig - geworden ist, über die Zukunft der Welt und speziell des Kapitalismus zu sprechen. Wir haben uns zu diesem ungewöhnlichen Buch zusammengefunden, weil sich etwas am Horizont abzeichnet - eine Strukturkrise weit größeren Ausmaßes als die jüngste Große Rezession, die sich rückblickend als das Vorspiel zu einer Periode noch tiefgreifenderer Störungen und Transformationen erweisen könnte. Immanuel Wallerstein erläutert die Gründe, die dafür sprechen, dass ein Zusammenbruch des kapitalistischen Systems bevorsteht. In den nächsten dreißig bis vierzig Jahren könnte es für die Kapitalisten, die sich - unter dem Druck der gesellschaftlichen und ökologischen Kosten wirtschaftlicher Tätigkeit - auf den globalen Märkten drängen, schlicht unmöglich werden, ihre üblichen Investitionsentscheidungen zu treffen. Der Kapitalismus war in den letzten fünfhundert Jahren die kosmopolitische, explizit hierarchische Weltmarktökonomie, in der die führenden Akteure durch ihre vorteilhafte Position in seinem geographischen Zentrum große und sichere Gewinne einfahren konnten. Diese historische Situation stößt, wie Wallerstein meint, an ihre Grenzen, und damit - trotz seiner Dynamik - das System des Kapitalismus. Er würde nach dieser Hypothese an der Frustration der Kapitalisten zugrunde gehen. Randall Collins konzentriert sich auf einen spezielleren Vorgang, der die Zukunft des Kapitalismus bedroht: auf die politischen und sozialen Folgen für nicht weniger als zwei Drittel der gebildeten Mittelschichten, die in der westlichen Welt, aber auch weltweit, durch die neue Informationstechnologie strukturell arbeitslos werden. Wirtschaftsexperten entdecken neuerdings das Schrumpfen der Mittelschicht, begnügen sich aber mit dem vagen Ruf nach politischen Lösungen. Collins betrachtet nacheinander die fünf Auswege, die den Kapitalismus in der Vergangenheit vor den sozialen Kosten seines Innovationsdrangs gerettet haben. Keiner dieser bekannten Wege scheint die technologische Arbeitslosigkeit im Dienstleistungssektor und im öffentlichen Dienst in Zukunft auffangen zu können. Der Kapitalismus des 19. und 20. Jahrhunderts mechanisierte die Handarbeit, schuf aber einen Ausgleich durch die Zunahme von Mittelschichtpositionen. Heute drängt die Hochtechnologie des 21. Jahrhunderts die Mittelschichten ins Abseits. Das führt uns zu einer weiteren Hypothese: Könnte der Kapitalismus daran verenden, dass er den politischen und sozialen Rückhalt der Mittelschicht verliert? Craig Calhoun stellt dagegen fest, dass ein reformierter Kapitalismus zu retten wäre. Er führt die von uns allen anerkannte Tatsache ins Feld, dass der Kapitalismus nicht nur eine Marktwirtschaft ist, sondern auch eine politische Ökonomie. Seine institutionellen Rahmenbedingungen würden von politischen Entscheidungen bestimmt. Strukturelle Widersprüche könnten in den komplexen Marktmechanismen zwar auftreten, es sei aber die Politik, in der sie behoben oder vernachlässigt werden - und wo sie auch außer Kontrolle geraten. Anders gesagt: Entweder werde es unter den Kapitalisten einen aufgeklärteren Teil geben, der die systemischen Kosten und Verantwortlichkeiten zur Kenntnis nimmt, oder sie würden sie weiter auf die Gesellschaft abwälzen, wie sie es seit dem Verebben linker oder liberaler Herausforderungen vor einer Generation tun konnten. Wie grundlegend die Wende vom heutigen Kapitalismus zu einem gezügelten System sein wird, ist für Calhoun eine offene Frage. Sozialistische Zentralwirtschaft sei eine Möglichkeit, noch wahrscheinlicher ist für ihn eine chinesische (sprich staatskapitalistische) Lösung. Märkte könne es in Zukunft weiterhin geben, auch bei einem Rückgang spezifisch kapitalistischer Finanz- und Eigentumsformen. Der Kapitalismus könne überleben, werde aber einiges von seiner Fähigkeit einbüßen, die globale wirtschaftliche Integration voranzutreiben. Michael Mann vertritt für die Probleme des Kapitalismus eine sozialdemokratische Lösung, beleuchtet aber auch tiefere Probleme, die aus den Multikausalitäten der Macht entspringen. Neben dem Kapitalismus gehören dazu Politik, militärische Geopolitik, Ideologie und die Vielfalt der Weltregionen. Diese Komplexität macht, wie er meint, die Zukunft des Kapitalismus unvorhersehbar. Die übergreifende Bedrohung, die vollends unkalkulierbar ist, sei die während des 21. Jahrhunderts sich weiter verschärfende Umweltkrise. Sie könne sich in Kämpfen um Wasser und Nahrung äußern und zu Verseuchung und massiven Migrationsströmen führen, mit der Gefahr totalitärer Reaktionen, sogar atomarer Kriege. Mann verbindet dies mit der Grundfrage dieses Buches: der Zukunft des Kapitalismus. Der Klimawandel ist nach seiner Analyse deshalb so unaufhaltsam, weil er von allen herrschenden, heute globalisierten Institutionen gefördert wird - vom Kapitalismus als ungezügeltem Profitstreben, von autonomen, auf ihre Souveränität pochenden Nationalstaaten und von individuellen Verbraucherrechten, auf denen die Legitimität moderner Staaten und Märke basiert. Eine Lösung der ökologischen Krise hätte also eine grundlegende institutionelle Veränderung der heutigen Lebensverhältnisse zur Folge. All das sind strukturelle Projektionen, vergleichbar mit "Stresstests", wie sie in der Technik oder auch, wie wir inzwischen wissen, bei Banken durchgeführt werden. Keiner von uns begründet seine Prognosen für den Kapitalismus auf Verdammungen oder Elogen. Wir haben unsere moralischen und politischen Überzeugungen, nehmen aber als historische Soziologen zur Kenntnis, dass das Schicksal menschlicher Gesellschaften - zumindest in den letzten zehntausend Jahren nach dem Jäger-und-Sammler-Stadium - nicht davon abhing, was sie an Gutem oder Bösem hervorgebracht hatten. Unsere Diskussion dreht sich nicht darum, ob der Kapitalismus besser oder schlechter ist als andere Gesellschaftssysteme. Die Frage ist: Hat er eine Zukunft…
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